Rundenbericht: Dresden Files auf Malle 2

Fortsetzung des Berichts vom letzten Abend.

Im Treppenhaus finde ich einen Feuerlöscher. Mit dessen Hilfe kann ich dafür sorgen, dass einige Eingeschlossene ins Treppenhaus entkommen können. Dann finde ich die Quelle des Feuers – mein Polizistenblick sagt mir sofort, dass hier jemand ohne Übung und Können ein Feuer gelegt hat. Ich verteile die letzten Reste des Feuerlöscherinhalts auf die Brände und laufe dann auch hinaus – die Gefahr scheint gebannt.

Unten finde ich Kaja nicht. Die Familie, in deren Obhut ich sie gegeben habe, ist noch da – aber ein „dunkelhäutiger Freund“ habe sie abgeholt. Das sei doch sicherlich in Ordnung gewesen? Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, was Ago plant und war nicht sehr beunruhigt. Heute gehe ich davon aus, dass er das Feuer gelegt hat, um mich von Kaja zu trennen…

Sie hat ihr Handy dabei und ich kann sie deshalb leicht orten. Sie ist schon wieder auf dem Weg in den Strandklub des Mafiosi! Offenbar in einem Boot. Um so besser, mit dem Taxi kann ich sie einholen. Der Wachmann am Clubeingang ist kein Problem für mich, tatsächlich wirkt er eher resigniert, als ich ihm schon wieder meine Pistole unter die Nase halte. Ich nehme sein neues Schießeisen an mich – ich habe das Gefühl, dass ich das Ding noch brauchen werde.

Tatsächlich komme ich etwa gleichzeitig mit Kaja und Ago am Club an. Ago fragt gerade lautstark nach Vasily – dem Typen, der mit meiner Tochter rumgemacht hat. Ich verstehe nicht, wer hier die Regie führt und denke zunächst, dass meine Tocher ihn instrumentalisiert um zu ihrem Liebesten zu kommen. Die Security kommt um Stunk zu machen und mein Handy klingelt. Irgendwann werfe ich das Handy Ago zu, weil ich nicht gleichzeitig die Security in Schach halten kann und telefonieren. Offenbar ist es Henri, die Hilfe braucht. Gerade habe ich wirklich andere Sorgen. Ich bringe den Securityfritzen mit einfacher körperlicher Gewalt zu Boden und nehme ihm seine Kalaschnikow ab. Kaja nutzt die Ablenkung, um zu verschwinden – offenbar lässt sie sich von Angestellten zu deren Chef bringen – dieser Vasily bringt mich auf die Palme. Ich greife mir ein Taxi und versuche Kajas Handy zu orten… aber mein eigenes Handy hat ja noch Ago! Ich renne zurück, und er weigert sich, es herauszugeben. Warum will er nur diesem Mafiosi dabei helfen, meine Tochter zu missbrauchen? Ich bin jetzt so wütend (und besorgt um meine Tochter!), dass ich ihm Schusswaffengebrauch androhe. Das beeindruckt ihn nicht, und mir läuft die Zeit davon! Also schieße ich, greife das Handy und sehe, dass Kajas Handy noch im Haus ist.

Ich zwinge mich zur Ruhe und denke erstmal nach. Okay, vermutlich ist sie nicht mehr hier, ich habe einen hastig beschleunigenden Sportwagen wegfahren hören. Aber wenn doch? Ziellos irgendwo hinzufahren kann nicht der beste Weg sein.

Ich suche ihr Handy und finde es auf der Bar. Offenbar hat sie begriffen, wie ich sie finde. Mist. Auf meinem Handy sind zahlreiche verpasste Anrufe von Henri und eine Kurznachricht von ihr mit einem Geocode. Ich rufe sie zurück und erfahre, dass sie mit Vasily in dessen Finca ist. Der Geocode zeige mir, wo diese Finca sei. Vasily sei ein gefährlicher Mann (ja, ICH weiß!) und Kaja sei auf dem Weg zu ihm. Ich renne zurück zum Taxi, aber das hat Ago mir weggeschnappt. Egal, vor einem Nachtclub sind Taxis keine Mangelware. Ich lasse mich zur Finca fahren.

[Derweil – was Klaus nicht weiß:

Blix und Jean sind noch auf der Müllkippe. Sie dringen in den Tunnel ein und folgen dem Hilferuf. Sie treffen auf einen Ghoul, der sich als harte Nuß erweist. Jean (der heute von dem anderen Elternteil gespielt wird) kann offenbar eine Art Engelgestalt annehmen und fliegen. Aber auch dieser Engel hat kaum eine Chance gegen Ghoule. Blix lenkt den Ghoul aber ab und die beiden fliehen mit dem Mädchen. Das Mädchen ist in eine katatonische Starre verfallen. Sie bringen das Mädchen zum Arzt, lassen sich selbst die Wunden verbinden und fahren dann zu dem Geocode, den Henri verschickt hat.

Henri unterhält sich derweil mit dem sehr urbanen und umgänglichen Vitaly, der kein Problem damit hat, sie zusehen zu lassen, wie er einen von zwei gefangenen Spaniern kaltblütig erschießt, um den anderen zum Sprechen zu bringen. Sie ist entsetzt. Dennoch hat sie das Gefühl, dass er Kaja wirklich liebt. Von ihrem Plan, die beiden zusammenzubringen, lässt sie nicht ab.

Kaja trifft ein und Henri drängt Vitaly nicht lange zu zögern, da sie fürchtet, Klaus könne rechtzeitig eintreffen, um das Schlimmste zu verhindern. Die beiden verschwinden nach oben ins Schlafzimmer.]

Ich treffe fast gleichzeitig mit Blix, Jean und Ago an der Finca ein. Die Wachposten an der Finca sind tot, offenbar ist schon vor uns jemand eingedrungen. Ich mache mir größte Sorgen um meine Tochter und renne los. Vier spektakulär gutaussehende Gestalten scheinen die Wachen umgebracht zu haben und wenden sich jetzt uns zu. Sie greifen sofort an, übermenschlich schnell. So schnell wie meine Ex, deshalb tippe ich auf Vampire. Allerdings fehlt das Element der sexuellen Erregung, obwohl die Gestalten extrem gut aussehen. Naja, vielleicht bin ich einfach nur zu abgestumpft.

Ago gelingt es mit seiner ekligen Art, einen der Vampire in seine wahre Gestalt zu zwingen – ein widerliches, dickbäuchiges Fledermauswesen. Blix erkennt daran, dass es sich um „rote“ Vampire handelt – offenbar eine andere Sorte Vampir. Egal, mir läuft die Zeit davon. Ich ballere den Rest des Magazins aus der Kalashnikow in eine der Gestalten, die sich wenig beeindruckt zeigt. Also renne ich einfach an ihr vorbei, um zu meiner Tochter zu gelangen. Ago ruft, er würde sie im Keller sehen können. Dem glaube ich aber nichts mehr… ich renne lieber nach oben, denn das ist wo ich die Schlafzimmer vermute. Nennt mich ruhig spießig, aber die kriminalistische Erfahrung lehrt, dass der Sex im Schlafzimmer stattfindet – fast immer. Im Flur steht Henri vor einer Tür, hinter der sich ziemlich wilder und harter Sex abspielt, was man deutlich hören kann.

[Derweil: Henri wurde im Keller von gleich zwei Vampiren gestellt. Mechanisch hatte die Spielerin sich in den Sitzungen der letzten Zeit von Mab reichlich Fatepunkte geliehen, um ordentlich mit Wintermagie um sich werfen zu können – eine Möglichkeit, die jenen offen steht, die „sponsored Magic“ nutzen. Jetzt versagt Mab weitere „Schulden“ – im Gegenteil, sie fordert Rückzahlung.

In ihrer Not macht Henri einen Deal: Sie erhält die Macht, die beiden Vampire zu besiegen, dafür erzeugt sie eine Stimmung der wilden, gewalttätigen und ungezügelten Lust im Haus. Henri ist klar, dass dies Kajas Chance, Mensch zu werden, gegen Null senkt, stimmt aber zu. Sie tötet die beiden Vampire mit Eislanzen, erfährt von dem überlebenden Gefangenen Vitalys, dass der gefangene Spanier abhängig von dem Speichel eines der roten Vampire sei und rennt zum Schlafzimmer, um dort ihr Versprechen einzulösen. Die Geräusche hinter der Tür verraten ihr, dass aus dem zärtlichen Kuschelsex etwas ganz anderes geworden ist: Die Geräusche klingen wild, zornig und brutal. Sie hat ihr Versprechen erfüllt.]

Ich renne los, um die Tür einzutreten und die beiden auseinanderzutreiben. Als ich auf sie zulaufe, sehe ich, dass Henri die Tränen über das Gesicht laufen. Sie flüstert: „Klaus, es tut mir so leid!“, als sie eine Mauer aus Eis vor sich entstehen lässt. Ich pralle an der Eiswand ab! Unten werden meine Freunde (und Ago) von den Vampiren abgeschlachtet, drinnen meine minderjährige Tochter von einem 35-jährigen Mafiosi grob vergewaltigt – und sie hilft dabei! Ich habe sie immer für meine Freundin gehalten. Was für ein Wesen tut so etwas?

Ich kriege diese verdammte Eismauer nicht kaputt, aber offenbar ist Henri ziemlich fertig – nach kurzer Zeit zerfällt die Mauer von alleine und ich komme an ihr vorbei. Meine Tochter! Sie sitzt auf Vitaly und reitet ihn. Ich bin zu spät!

Ihre Augen sind ganz silbrig – es sind die Augen ihrer Mutter, die ebenfalls diese weißsilbernen Augen hat, während sie die grausamsten Dinge tut und sagt – und beim Sex.

„Wenn mein Dämon die Kontrolle übernimmt“, so nannte sie das, als wir noch zusammen waren. Sie spricht über den Dämon wie andere Frauen über ihre schlechte Laune während der Periode reden… Ob Kaja den Dämon geerbt hat?

Keine Zeit, nachzudenken. Ich reiße sie von Vitaly, dem perversen Schwein, runter. Sie ist ganz kalt, eiskalt, ihre Silberaugen gleichzeitig fremd und vertraut. Meine geheime Angst, dass sie wie ihre Mutter werden könnte, schnürt mir den Hals zu. Ich wickele sie in eine Decke. Dazu muss ich Vitaly beiseite schieben, um an die Decke zu kommen. Er ist tot.

Unten sind weitere Schläger der Russen eingetroffen, die die Vampire beschäftigen. Ago redet ununterbrochen auf mich ein: Es sei alles meine Schuld, dass Kaja ein Monster sei. Nur weil ich meine Tochter in den Armen halte (und sie keinesfalls loswerden lasse) überlebt er die Nacht.

Rundenbericht: Dresden Files auf Malle

Mein Charakter in der wöchentlichen Dresden Files Runde ist ein Hamburger Polizist. Geschieden, 15-jährige Tochter. Um die soll es gehen.

Kaja ist aus meiner ersten Ehe. Meine Ex ist ein weißer Vampir – was ich natürlich damals nicht wusste. Ich wusste nur: Der Sex ist grandios. Heute weiß ich, dass weiße Vampire die Fähigkeit haben, in Menschen Gefühle der Lust hervorzurufen – und sich dann von der Lebenskraft der Menschen nähren. Sie sind die Götter des Sex – nein, das stimmt nicht. Sie sind die Dämonen des Sex. Verboten guter Sex! Sex, der abhängig macht, gefügig, und irgendwann tödlich endet. Ein Wunder, das ich das überlebt habe.

Das Sorgerecht an unserer Tochter ist geteilt. Sie verbringt jedes zweite Wochenende bei ihr – sehr zu meinem Ärger. Als ich sie das letzte Mal abgeholt habe, bekam sie gerade von ihrer Mutter gezeigt, wie man beim Poledance möglichst attraktiv seine Kleidung ablegt. Ich bin fast geplatzt vor Wut. Andererseits zahlt meine Ex pünktlich  Alimente, und auch eine ordentliche Summe. Sie ist natürlich sehr wohlhabend, weil ihr Clan die Finger tief in der Prostitution rund um die Reeperbahn hat.

Ihr Geschenk zu Kajas 16. Geburtstag war ein Urlaub: zwei Wochen Malle. Ich habe mich quer gestellt und wollte die beiden nicht alleine reisen lassen. Weil meine Ex nur an Sex denkt und das in meinen Augen nicht das Erziehungsziel sein kann. Letztlich ist dann meine Ex zu Hause geblieben – sie nahm zu Recht an, dass die Anwesenheit beider Elternteile zu viel Streit führen würde, was ja für die Kleine das Geburtstagsgeschenk durchaus schmälern würde.

Jetzt liege ich hier am Pool des durchaus ansehnlichen Hotelkomplexes direkt am Ballermann-Strand, habe schon den ersten Cocktail intus und kann – weil das Töchterchen noch schläft – der Damenwelt die Aufmerksamkeit schenken, die sie verlangt.

Ich häng ab, der Tag ist Sahne
Ich check die Straßenlage
Frauen schaukeln elegant vorbei
Genieß die Arschparade
– Peter Fox, Zucker

Es bleibt nicht lange so schön. Dabei ist alles perfekt geplant. Heute Abend gehe ich mit Kaja essen, wir feiern so in ihren Geburtstag rein. Dann ist sie 16. Alt genug, um ohne Aufsicht in den Megapark zu können. Sage ich mir. Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon, denn hier am Ballermann wird gebaggert wie in der Kiesgrube! Alter, selbst ich könnte hier jeden Abend eine andere haben… eigentlich kein Wunder, die Location hat ja meine Ex gewählt. Und die würde sich hier wohlfühlen. Ich muss zu Hause mal nachsehen… vermutlich gehört ihr die Hälfte des Ladens!

Leicht angeschickert sehe ich ein paar der lokalen Kollegen mit der Empfangsdame sprechen. Das finde ich natürlich deutlich spannender als die Brünette mit der vom Sonnenstudio gegerbten Haut, die mir ständig zuzwinkert, seit sie an meinem T-Shirt (Polizeisportclub Altona) erkannt hat, dass ich Bulle bin. Und ich habe gedacht, ich brauche meine Handschellen im Urlaub nicht …

Egal, die spanischen Kollegen reden natürlich Spanisch miteinander. Ich krieg nicht so viel mit, weil ich erst spät an diese komische App denke, mit der man gesprochene Texte übersetzt bekommt. Braucht man hier nicht, hier kann ja jeder Deutsch… Irgendwas mit verschwundenen Mädchen erzählen die. Alter, das brauch ich nicht! Ich kann doch heute Abend nicht Kaja unbeaufsichtigt lassen (und mein Gott, dass will sie, das ist ihr Geschenk und ist so mit ihrer Mutter vereinbart), wenn hier Mädchen verschwinden. Ich muss mir das ansehen!

Und als ob es eine Fügung wäre… nur weil ich einen Fall untersuche, rufen auch exakt die Leute an, von denen ich Urlaub brauche: Henri, Ago und Blix. Sind hier auf Malle, weil sie einem Klabautermann einen Segeltörn schulden. Ach so, na klar, ich frag nicht weiter. Und dann wuselt hier auch noch ein Hamburger Hells Angel namens Jean rum, der mir manchmal Infos aus der Szene gibt. Sie gehören alle zu meinen Bakerstreet Irregulars, und nennen sich „Team Klaus“, um so an den uniformierten Kollegen vorbeizukommen. Was unerfreulich oft klappt.

Ago dazuhaben ist jetzt aber nützlich, der kann sich nämlich in einen extrem widerlichen Schwarm von kleinen Spinnen verwandeln – und bringt uns so in das Zimmer der verschwundenen Mädels, das gegen so kleine Eindringlinge nicht abgesichert ist. Erste Erkenntnis: Die sind zwar schon über 20, aber schmeißen auch alle Klamotten auf den Boden. Wie Kaja. Zweite Erkenntnis: Blix knackt deren Ipad so schnell, dass man misstrauisch werden muss. Wovon lebt Blix eigentlich genau? Andererseits – sie hat nur das Geburtsdatum im Pass nachgesehen und als Pin probiert – voila. Und schon gibt es eine Million Selfies mit Duckface zu sehen… Dritte Erkenntnis: Blix kann die Handys im Ipad über so einen „Finde deine Freunde“-Dienst orten, eines ist nicht weit von hier. Das wollen wir uns mal ansehen. Die Empfangsdame gibt uns ein Bierbike (die Dinger sind entweder in meinem Bändchen inklusive (unglaubwürdig) oder meine Ex steckt dahinter …)! Wir radeln fröhlich und gehoben unauffällig mal gucken, wo das Handy ist. [Am Tisch wird den Spielern Bier kredenzt, aber leider auch ein Medley von Ballermannschlagern.]

Wir sind aber nicht die einzigen, die nach dem Handy suchen. Kaum taste ich in der Kanalisation nach dem vibrierenden Handy, kriegt Ago von einem Typen so hart eine gescheuert, dass er zu einem Haufen verängstigter Spinnen zerfällt. Jean, der Hells Angel, ist aber nicht so zerbrechlich und zieht dem Typen ein Stahlrohr über, dass er sich aus dem Müllcontainer gegriffen hat. Der Typ verwandelt sich darauf hin in eine Mischung aus Mensch und Hyäne, Blix identifiziert ihn (oder sie?) als Ghoul. Der blöde Ghoul scheint schneller zu heilen, als wir ihm Schaden zufügen können. Aber Jeans Schläge und ein aus nächster Nähe in ihn reingeballertes Magazin aus meiner Pistole halten das Ding auf dem Boden – und dann ruft natürlich Kaja an. War ja klar. Sie quengelt rum, weil sie in ihrem Kleiderberg das rote Kleid für heute abend nicht wiederfindet. Ich versuche sie abzuwimmeln, aber das ist nicht so einfach… immer, wenn ich mal einen auf streng mache, schmiert mir das die Anwältin meiner Ex beim Jugendamt aufs Brot. Und die Sache mit dem Poledance kann ich umgekehrt leider nicht beweisen, weil meine Tochter ihre Mutter deckt.

Blix (die immer noch ihr Bierglas in der Hand hat) hat das Glas mit Weihwasser aus einer der unzähligen Kapellen hier befüllt. Als sie versucht, das Weihwasser auf den Ghoul zu spritzen, trifft sie leider überhaupt nicht. Aber Henri [eine niedere Flußgöttin mit Unseelie Magic] macht wieder einen auf cold bitch (Ago nennt das „böse Fischfrau“) und lässt das Wasser magisch gefrieren und rammt dann die Eistropfen – beschleunigt wie von Geisterhand – in den Ghoul. Der sieht jetzt so aus, als hätte ihn eine Schrotkanone getroffen. Das Weihwasser war wohl eine gute Idee, das heilt er nicht einfach wieder weg. Ago, der jetzt wieder Oberwasser hat, säbelt ihm den Kopf ab… und packt den Kopf dann gleich ein. Vermutlich für den Fall, dass jemand Spinnen mag und er trotzdem widerlich sein will.

Schon wieder Kaja am Telefon. Sie will mit Freunden weg. Ich merke schnell, dass sie lügt. Oder mir was verbirgt. 20 Jahre Polizeiarbeit – da helfen nicht mal die Gene ihrer Mutter gegen. Außerdem redet im Hintergrund jemand auf russisch. Ich nehme ihr das Versprechen ab, sich gut zu benehmen und pünktlich zum Essen zurück zu sein. Ich weiß ja, wie lange sie sich dafür zurechtmachen wollen wird – das gibt ihr kaum Zeit, Unsinn zu machen. Ihr Instagram verrät uns schnell, mit wem sie unterwegs ist. Die Typen sehen aus, als wären sie eher 30 als 25. Das also hat sie „vergessen zu erwähnen“. Langsam werde ich sauer. Blix kann die Leute auf dem Bild zuordnen. Es wird noch schlimmer! Der Typ, den meine Tochter auf dem Selfie so anhimmelt ist der Sohn eines Capos der Russenmafia und Inhaber eines exklusiven Strand- und Nachtclubs ganz in der Nähe. Dank Apple kann Blix Kajas Handy orten… genau in diesem Club ist sie. Mir schwillt die Zornesader!

Die Anderen wollen zwar lieber zum zweiten Handy, das wohl auf einer Müllkippe gelandet ist. Das kommt für mich nicht in Frage, und zähneknirschend kommen sie mit. To the Batmobile Bierbike! Ago zeigt dem Türsteher des Russenclubs den Kopf des Ghouls, und als das nicht reicht, kriecht er als Spinnenschwarm in Nase und Ohren des armen Typen [Mechanisch: Incite Emotion (Ekel)]. Ich nehme die Pistole des Türstehers und gebe sie Jean. Der ist zwar Hells Angel (keine Freunde der Ordnungsbehörden), war aber früher mit einer Freundin von mir bei der Fremdenlegion und kann vermutlich besser damit umgehen als ich es könnte. Und ich habe etwas Sorge vor den Russen – die sind nicht zimperlich.

Die Gruppe von dem Instagramfoto lümmelt knutschend auf einem edel ausgestatteten Ponton im Meer herum. Ich greife mir einen Jetski und fahre los. Dank einer Woche Urlaub hier kann ich mit den Dingern umgehen [Fatepunkt], während die anderen erst mal rumfummeln, bis die Dinger losfahren. Nur Henri, ohnehin Rettungstaucherin, schwimmt lieber, und Blix nimmt das Tretboot in Form eines Schwans. Das es im Tretboot eine Flasche Champagner auf Eis gibt, lässt sie noch später ankommen, denn Blix sagt zu praktisch gar nichts „Nein“. Gut so, im Kampf kann man sie ohnehin nicht brauchen. [Den Spielern wird Sekt kredenzt.]

Der Russe knutscht so intensiv mit meiner Tochter rum, dass ich hingehen kann, mir sein Ohr greifen und ihn hochziehen, ohne das er sich wehren kann. Kaja fängt sofort an zu keifen und zu heulen als sie mich sieht. Aber ich bin so sauer, dass ist mir egal. Ich stelle den Typ zur Rede. Als ich frage, was ihm den einfalle, mit einer Fünfzehnjährigen rumzuknutschen, sehe ich echte Überraschung in seinen Augen. Wenn Kaja nicht sofort widersprochen hätte, sie sei doch schon fast 16, hätte er mir wohl nicht geglaubt. Die kleine Lügnerin hat ihm wohl verkauft, sie wäre 18. Der Russe sieht so bedröppelt aus, ich hab schon fast Mitleid. Und Kaja faselt was von Verlobung! Ich lasse sein Ohr los und will gerade Kaja mit bester Polizistenstimme nach Strich und Faden zurechtweisen, als die offenbar recht lahme Security endlich kommt – mit Jetskis und Kalaschnikovs… Da wird mir doch recht mulmig, aber der Russe entschärft die Situation. Wir werden nur vor die Tür begleitet. Lasse ich geschehen, so billig habe ich nicht gedacht davonzukommen.

Kaja packe ich ins Bett. Die hat sich so leergeheult, dass sie zittert und vor Müdigkeit kaum noch aufs Handy gucken kann (bei ihr ein Alarmzeichen). Ich habe Hunger, aber das Geburtstagsessen fällt wohl aus. Ich will Kaja nicht alleine lassen und mache den Fernseher an.

Dann fängt das Hotel an zu brennen. Als der Feueralarm losgeht, wickle ich Kaja in eine Decke und trage sie runter. Unten stehen andere Leute rum, unter anderem eine Familie, die auch eine Tochter in dem Alter hat. Ich bitte sie, auf Kaja aufzupassen und renne wieder rein, denn im zweiten Stock rief jemand um Hilfe [Fatepunkt].

Ende der Sitzung

Was Klaus nicht weiß

  • Als Tochter einer Weißen Vampirin wird Kaja auch eine weiße Vampirin werden. Es gibt nur eine Chance, dass zu verhindern: Dazu muss sie ihre Jungfräulichkeit an jemanden verlieren, mit dem sie wahre Liebe verbindet. Andernfalls wird sie ihren ersten Sexualpartner töten und damit ihre Vampirmächte (und den damit verbundenen Hunger) wecken.
  • Der Russe und Kaja sind so verliebt, dass könnte wahre Liebe sein.
  • Ago und Henri wissen Beides, haben es aber zu spät gemerkt. Klaus weiß es nicht.
  • Das Feuer hat Ago gelegt. Er hat Kaja unten aus den Händen der anderen Familie abgeholt und bringt sie wieder zum Russen.
  • Dort ist Henri bereits. Sie hat – unabgesprochen – dem Russen erklärt, was mit Kaja los ist. Er ist trotzdem bereit – um die Gefährlichkeit wissend – Kaja von diesem Fluch zu befreien. Henri rationalisiert ihr Verhalten damit, dass Kaja gleich ja 16 sei… (sie hat außerdem eine Konsequenz namens „Kaltes Herz“ nehmen müssen)
  • Jean und Blix sind zur Müllhalde gefahren. Sie betreten gerade einen Tunnel, in dem das Handy des zweiten verschwundenen Mädchens wohl liegt… Tunnel in einer Müllhalde? Wenn sie da keine Ghoule finden, dann würde mich das wirklich wundern.

Appendix

  • Mein Charakterblatt: Klaus, ein ganz normaler Polizist
  • Henri ist eine niedere Flussgöttin der Bille, Nixen-Wechselbalg, beliehen mit Unseelie-Magic
  • Blix ist eine Verschwörungsbloggerin, die Visionen hat, wenn sie Dinge berührt
  • Jean ist eine Hälfte eines Jerkyl/Hide Charakters. Der Charakter wird von einem Elternpaar gespielt, die nur abwechselnd teilnehmen können. Ein Ex-Fremdenlegionär, der in einer Höhle bei einem dunklen Ritual gestört hat. Das erste Mal dabei – die andere Seite kenne wir noch nicht.
  • Ago ist ein Sohn Anasis (ein afrikanischer Spinnengott). Er ist entweder in seiner natürlichen Form eines Spinnenschwarms – oder sieht aus wie jemand aus Ghana. Er ist auf anstrengende Weise sehr nett.

Hier geht es zum zweiten Teil.

GRT, DRP, rsp-blogs.de, Zombiecalypse, dieses Blog hier…

ist das nicht ein bisschen viel Arbeit? Wenn ich mir mal so ansehe, was ich rund um das Rollenspiel (zusätzlich zum eigentlichen Spielen) so mache, ist das eine Menge investierter Zeit:

Und ja, das frisst enorm viel Zeit. Und manchmal ist es wirklich schwer, sich selbst zu motivieren, an diesen Sachen weiterzumachen. Vor allem, weil viele dieser Dinge eher selten mal Feedback generieren. Und ohne Feedback weiß man ja gar nicht, warum man etwas macht. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich rollenspiel-cons.info abgegeben habe; das macht jetzt Roland besser als ich es je gekonnt habe – vielen Dank dafür, denn ich halte das Projekt weiterhin für höchst nützlich.

Ich habe diesen Zeitpunkt für die Selbstreflektion genutzt, bei dem ich gerade wieder vor Augen geführt bekommen habe, warum die Zeit gut eingesetzt ist. Der Gratisrollenspieltag 2018 ist gerade vorbei. Und es hat wirklich Spaß gemacht, ihn zu organisieren. Zum einen ist es natürlich toll, dass die Verlage inzwischen alle richtig gut dabei sind. Das war früher anders, da gab es auch Verlage, die den GRT für nicht sinnvoll gehalten haben. Jetzt spüren wir viel mehr positive Rückmeldung, und das ist schön.

Werbung für den #GRT2018 Livestream

Und dann war da der Livestream, den Pegasus mit am Vorabend des Gratisrollenspieltags 2018 veranstaltet hat. Wir haben ein bisschen über den #GRT2018 gesprochen und dann mit Hauke Gerdes und Gino Singh (Rocket Beans TV & Bonjwa.de+AFK, Autoren von DUNGEONS & WORKOUTS), Peter und Julia von Pegasus und mir eine Runde Cthulhu gespielt. Das war toll! Es war spannend, mal so ein Actual Play bei der Aufzeichnung zu erleben, aber auch wie Profis an die Sache herangehen – und außer mir waren ja nur Profis am Werk. Vor, aber auch hinter der Kamera! Pegasus hat sich da wirklich Mühe gegeben. Eine tolle Erfahrung, auch wenn ich dafür eine Runde auf dem Tanelorn-Treffen absagen musste.

Und dann das Feedback der lokalen Orga. Das ist der Hammer. Ich zitiere mal die Veranstalterin des GRT in Greifswald:

Ich bin ja selten wirklich sprachlos geflasht. […]

Ich hatte ja ne These aufgestellt… ich war mir sicher, es gibt ne Menge an Rollenspielern in Greifswald, die wissen nur untereinander nicht so ganz voneinander. Also führt man, als guter Sozialwissenschaftler ein Experiment durch: Man organisiert so eine Veranstaltung wie den #GRT2018, gesagt, getan.
Im Laufe der Wochen, in denen ich Menschen angeschrieben habe, und gehofft habe, dass es sich weiter verteilt, war ich immer wieder an dem Punkt, wo ich dachte ok.. das hier ist keine Großstadt… eventuell kommen so 5 Menschen vielleicht 10… maximal 20… Offiziell haben wir bei 41 Menschen im Club aufgehört zu zählen.
Ich wusste, es gibt ganz viele von uns. Richtig großartiger Scheiß.
Hierbei sei nochmal Dank gesagt, an alle Spielleiter, die Leute vom Gratisrollenspieltag und den ganzen Verlagen und Menschen, die etwas zu der Gesamtaktion beigetragen haben.

Eine ganze Menge von euch hatten vorher noch nie was von dem Hobby gehört (6) oder nicht wirklich viel Erfahrung (12). Fast alle von euch haben gesagt, sie wollen noch einmal so etwas ähnliches haben. (Kommentare wie ja!!! oder „gern auch monatlich“ waren auch zu lesen). Damit ist bewiesen: Hier existiert eine Grundlage für eine Rollenspiel Community, die sich gern auch regelmäßig treffen würde. […]

Ich habe mich auch über jedes einzelne DANKE gefreut und über jedes Gespräch, über jeden einzelnen von euch nerdigen-hübschen Menschen. Ihr seid großartig! Danke auch an euch.

Hiermit kündige ich an: Es wird mehr Rollenspiel in Greifswald geben! Der Mail-Verteiler wird geschaltet! Ich werde mich mit ein paar interessierten zusammensetzen und genaueres planen. (Fühlt euch frei mich anzuschreiben :)). […]

Over and Out
Toni/ Nani

Quelle: Facebook

Diesen oder ähnliche Beiträge zu lesen ist so ziemlich das tollste, was man als Orga-Nudel zurückbekommen kann. Und ich hoffe, dass der GRT in Greifswald – wie z.B. in Paderborn – der Geburtsimpuls für eine organisierte Szene ist, wo Neueinsteiger Ansprechpartner finden und Rollenspieler einfach miteinander spielen können.

Es gab viele tolle Rückmeldungen, aber die von Toni war für mich die wichtigste. Ich habe sie am Sonntagabend als eine der ersten gelesen – und ich sage euch, zu diesem Zeitpunkt bibbert man! Man hat so viel Zeit und Energie investiert, 101 Locations wollen mitmachen, Verlage angesprochen, Material bei Ralf angeliefert, Pakete gepackt (danke, Ralf!), von DHL abgeholt (und überwiegend angekommen, außer in Dortmund: Sorry, Meheddiz!) – und dann ist alles aus deiner Hand. Meine Mitorganisatoren asri und Olenna sind ja auch lokale Veranstalter, die können bei sich vor Ort in die Gesichter gucken. Ich aber hatte keine Idee, wie es denn läuft. Bis das Feedback eingeht. Mit jedem Feedback ist man ein bisschen erleichterter, und – jedenfalls ich – irgendwann euphorisch. Wenn die lokale Orga selbst geflasht ist, wenn die Photos kommen, voller glücklicher Rollenspieler (und solchen, die es gerade werden). Toll! Dann weiß man wieder warum. Deshalb glühen wir auch noch ein paar Tage mit euren Feedback auf der GRT-Website nach…

Und solche Momente gibt es bei all meinen Aktionen – mal stärker, mal schwächer. Ob es die Freude von jemanden ist, der hunderte von Stunden in ein Buch gesteckt hat, dass jetzt den DRP gewinnt. Oder so etwas Kleines wie ein Rollenspielblog-Karneval, bei dem gefragt wurde, wo sich die Leute zum Rollenspiel informieren, und unglaublich viele rsp-blogs.de genannt haben.

Und deshalb noch mal Danke. Nicht nur an meine Mitorganisatoren, die fantastische Arbeit geleistet haben, sondern auch an alle, die am GRT mitgemacht haben. Die Ladenbesitzer, die Vereine, die Menschen die organisiert haben, die Werbung gemacht haben, die Spielrunden organisiert haben. Und die Spielleiter, die Besucher und Spieler – ohne Euch kein GRT. Ich freu mich schon auf den nächsten Gratisrollenspieltag.

Religion im Rollenspiel: Vorbehalten der Fantasy?

Logo des Karnevals der Rollenspielblogs

Karneval der Rollenspielblogs

Ich frage mich gerade, ob Götterwirken ein Privileg der „unrealistischen“ Spielwelten ist, die wenig aus unserer Realzeit übernehmen. Aventurien, Faerun, Lorakis – klar, da gibt es Götter, Geweihte und zauberartige Wunder.

Aber schon als ich anno dunnemals mit AD&D am Hofe Karl des Großen spielen wollte, mit Priestern, die ihre Magie aus der Bibel ableiten sollten (also kein Flammenschlag&Feuerball, aber all die Wunder, die man im alten und neuen Testament so finden kann), war das durchaus ein Thema, bei dem einige Spieler zurück zuckten – entweder, weil sie es mit ihrer Religion nicht vereinbaren konnten, die Wunder ihres Gottes in solch „unwertschätzenden“ Art zu verwenden, andere hatten die Sorge, religiöseren Menschen als ihnen selbst auf die Füße zu treten. Dabei passt es so gut… die Idee war (natürlich) zunächst den Hof von Karl als die Guten gegen die bösen Sarazenen zu führen, und dann später auch gute Sarazenen als PCs zu haben, die gegen die bösen Christen kämpfen – mit all den Auswirkungen, die das Alignment bei D&D so hat.

Und es passt ja so gut: Der D&D Cleric entspricht nun mal eher dem kriegerischen Erzbischof Turpin als dem netten Priester von heute.

Ging nicht, damals. Recht unpopulär, AD&D so ohne SC-Magier, und mit den komischen Klerikern. Und dann kennt AD&D nicht mal die aktive Parade.

20, 25 Jahre später wundere ich mich, warum bei Dresden Files RPG so selten die göttlichen Kräfte gewählt werden. Ritter des Kreuzes, Wahre Gläubige – an meinem Tisch sind sie Mangelware, sie werden von meinen Spielern offenbar selten als attraktiv wahrgenommen, obwohl die Spieler alle begeisterte Leser der Romane sind. Bei Fantasy passiert das nicht. Ist es nun so anders, einen Kleriker des Praios zu spielen, Vecnas Hand zu tragen, oder ein Schwert mit einem Nagel von Kreuz Jesu zu schwingen?

Offenbar. Aber ich war auch überrascht, wie viele meiner Freunde kirchlich geheiratet haben.

Ein Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs im Oktober 2017. Das Thema diesen Monat: Religion im Rollenspiel. Startbeitrag (mit allen Erklärungen) und die Diskussion im Forum.

Der Spieler

Einleitung

Ein Titel, der so toll ist wie „Richtig Spielleiten!“, war natürlich schon vergeben.

Vermi hat im Tanelorn einen „Essay über den Spielleiter“ geschrieben, in dem er viel Kluges über diesen Spielertypus zusammenfasst. Überhaupt ist der SL sehr im Fokus der Betrachtung, es gibt Ratgeber, Blogs mit dem Namen „Richtig Spielleiten!“ (Übrigens sehr empfehlenswerte Lektüre :) ), Hilfestellungen, Kummerkästen ohne Ende. Vielleicht zu sehr! Denn selbst der weltbeste SL kann ohne oder gegen seine Spieler kein tolles Spiel erzwingen – Rollenspiel ist eine Teamsportart.

Deshalb soll es hier nicht um den SL gehen, sondern um die andern 1w4+2 Teilnehmer der Rollenspielrunde. Denn ohne sie geht nichts – und ihr Verhalten ist für einen gelungenen Spielabend von mindestens ebenso großer Bedeutung wie die des SL – oder sogar mehr. Lediglich die Tatsache, dass sie sich ihre Aufgaben teilen, lässt sie nach meinem Empfinden in den Hintergrund treten. Oder um mal einen außerordentlich guten SL auf dem Tanelorntreffen zu zitieren – „Bei der Gruppenzusammensetzung komme ich mir überflüssig vor.“ Offenbar kommt es also auch auf die Spieler an, wie auch Vermi in seinem Essay erkennt: „Ohne gute Spieler ist der beste SL verraten und verkauft.“

Die Klischees

Was wissen wir über den Spieler?

  • Er kommt gerne nicht oder zu spät, ggf. hat er seinen Charakterbogen wieder vergessen.
  • Sie muss die Regeln nicht so gut können.
  • Er braucht sich auf die Runde nicht vorbereiten.
  • Es gibt Problemspieler (vom Munchkin über den Powergamer bis hin zum Taschenlampenfallenlasser.

Die Rollenspieltheorie ist nicht viel weiter gekommen, als die Aufteilung von Laws (zitiert nach Wikipedia)

  • Powergamer (optimiert seinen Charakter, indem er die spielrelevanten Werte erhöht, die dessen Fähigkeiten und Eigenschaften beschreiben),
  • Butt-Kicker (kämpft gerne),
  • Tactician (plant gerne),
  • Specialist (spielt gerne einen bestimmten Charaktertypen),
  • Method Actor (spielt seine Charaktere gerne aus),
  • Storyteller (möchte, dass eine gute Geschichte entsteht) und
  • Casual Gamer (Rollenspiel ist ihm eigentlich egal, Hauptsache, er ist mit den anderen Spielern zusammen. Sprich auch der Gelegenheitsspieler)

für überholt zu halten. Laws hat diese Typisierung 2002 aufgestellt – als Hilfestellung für den SL, damit dieser Spielerpräferenzen erkennt und bedienen kann. Als solche Hilfe ist die List noch immer sinnvoll. Aber sie ist nicht, was ich hier betrachten möchte, denn es geht ja nicht um die Aufgaben des SL.

Spielerrollen

Ich sehe die Spieler eher in ihrer (idealisierten) Funktion am Spieltisch – als bewegende Faktoren der Gruppendynamik, nicht wie Laws als „Menschen mit Spaßquelle, die man adressieren sollte“.

  • Antreiberin
    Die Antreiberin will das es weitergeht. Plot erleben. Dramatische Situationen erleben und auflösen. Sie treibt die anderen an, stellt ggf. das Wohl des eigenen Charakters hintenan, um die Probleme aufzulösen. Schreitet enthusiastisch voran. Dominiert sie, wird der Plot linear abgearbeitet – kein Schritt links oder rechts, immer nur vorwärts, Augen geradeaus, im Geschwindschritt, MARSCH!.
  • Quertreiberin
    Die Quertreiberin steht auf Konflikte. Sie möchte sie auskosten, nicht auflösen. Sie handelt nicht „lösungsorientiert“, sondern dramaorientiert. Sie ist ein toller Nährboden für weitere Verwicklungen und spielergetriebene Handlungsstränge. Dominiert sie, kommt Game of Thrones dabei raus. Tausend Plotanfänge, keiner aufgelöst, alle drehen sich um ihre Figur.
  • Bedenkenträger
    Der Bedenkenträger sieht die Schwierigkeiten. Er ist deshalb für das Drama wichtig – er zeigt auf, welche Dimension die Schwierigkeiten haben, um was es geht, was das Scheitern bedeutet. Er lässt die Helden strahlen, wenn sie sich gegen ihn durchsetzen, er sorgt dafür, dass die Reaktionen der Spielwelt auf das Spielerhandeln wichtig sind. Dominiert er, geht es nicht weiter.
  • Planer
    Der Planer mag es, die Situation im Griff zu haben. Im Vorfeld durchdacht zu haben, die richtige Ausrüstung mitgebracht zu haben, das Ass aus dem Ärmel zu ziehen. Er ist oft gut belesen im Setting und den Regeln, weil er unangenehme Überraschungen nicht schätzt – es sei denn, er überrascht die Gegner. Er sorgt für Spielweltplausibilität, Gruppenzusammenspiel, Spotlightverteilung. Dominiert er, wird die Planungsphase nicht verlassen.
  • Resonanzbodin
    Die Resonanzbodin (seufz, gendern ist nicht leicht, aber ich verteile das Geschlecht nach den Musterbeispielen in meiner Gruppe) ist die perfekte Tanzpartnerin. Sie führt nicht, reagiert aber perfekt auf jeden noch so kleinen Impuls. Sie greift die Ideen der anderen auf und „macht was draus“. Sie ist der perfekte Ausdruck von „ja, und …“ (Im Sinne von: Großartig, und wenn ich noch X dazu mache, wird es noch toller!). Sie steht hinter der Antreiberin und haut sie raus, wenn sie sich übernommen hat. Der Quertreiberin ist sie die Partnerin für die dramatischen Konflikte. Im Diskurs zwischen Antreiberin und Bedenkenträger kann sie das Zünglein an der Waage sein. Sie dominiert eher nicht – im Zweifel rutscht sie eher in eine andere Rolle.

Es ist wichtig, dass die Rollen (es mag noch mehr geben, dazu freue ich mich über die Diskussion) gut besetzt sind.

Es gibt immer jemanden, der die Antreiberin gibt – denn jemand muss die Impulse setzen, dem Abenteuer nachzugehen. Irgendjemand muss zum SL sagen: „Wir gehen jetzt los.“ Das muss aber nicht notwendig derjenige sein, der diese Rolle atmet – es kann auch jemand sein, der eigentlich lieber Bedenkenträger wäre. Dann ist die Rolle ungünstig besetzt, und alles geht langsamer voran – nicht hilfreich für einen gelungenen Rollenspielabend. Zu viele Antreiber sind aber auch ungünstig.

In meiner Dresden Files-Runde gibt es ein fast perfektes Dreieck zwischen der Antreiberin, der Quertreiberin und der Resonzbodin. Das die Quertreiberin diese Rolle so gut ausfüllen kann, liegt sicherlich an dem relativ hohen Maß an Erzählrecht über die Spielwelt, die Spieler bei dem mit Fate befeuerten Dresden Files genießen, aber es scheint mir auch auf andere, traditionellere, Systeme übertragbar. Die Runde lässt spürbar nach, wenn eine der drei Spielerinnen nicht anwesend ist. Die anderen Slots sind längst nicht so ausschlaggebend, können aber extrem bereichernd sein.

Spielertugenden

Damit eine Gruppe gut zusammenspielen kann, sind neben der sinnvollen Besetzung der Spielerrollen auch noch einige Tugenden notwendig.

Kooperation

Es ist extrem hilfreich, andere Spieler anzuspielen. „Ohne magischen Support gehe ich da nicht rein“ kann man als Blockade lesen – oder als Anspielen des Charakters, der magische Unterstützung bieten kann. Wenn man etwas statt alleine zusammen mit Gruppenmitgliedern machen kann, dann sollte man das auch tun. Rollenspiel ist Teamsport.

Fokus

Damit meine ich jetzt nicht nur ein generelles Interesse an den Dingen, die gerade am Spieltisch passieren (im Gegensatz dazu, mal zu gucken, was auf Tinder gerade geht), sondern etwas mehr: Wie kann ich mich einbringen, welche Entscheidungen öffnen sich gerade, was brauchen die anderen von mir? Beispiel: Steckt die Gruppe in der Planung fest, sollte ich nicht die Schwierigkeiten betonen, sondern eine Lösung suchen – und sei es nur, die mentale Blockade aufzulösen. Nicht jeder ist eine Antreiberin, aber man kann Verantwortung für die Geschichte übernehmen.

Input

Spieler gestalten die Spielwelt. Das ist kein Ding von Fate oder anderen Hippie-Spielen! Selbst hardcore DSA-Spieler kennen das: In Form der Frage an den Spielleiter. „Ist da ein Kronleuchter?“ ist lediglich eine (aus Sicht von Erzählspielen) sehr ungelenke Art, einen Spielweltfakt zu etablieren, ohne die klassische Rolle des SL in Frage zu stellen. Aber eigentlich erschafft hier der Spieler gerade einen Kronleuchter, da machen wir uns nichts vor. Im Idealfall wird die Spielwelt mit Spielerinput spannender, leuchtender, detailreicher und insgesamt toller.

Die anderen Spieler gut aussehen lassen

Praktisch jeder Beziehungsratgeber, jeder Ratgeber für Chefs, Lehrer, Coaches und überhaupt alle: Sie raten zum Loben. Nicht ohne Grund! Nimm dir das Loben mal für deine Spielrunde vor und lobe als Spieler einen anderen Spieler. Das kann gerne ingame passieren: „Sire, darf ich ihnen Sir Hundel vorstellen, dem Helden von Trollbrück, der alleine 20 Oger erschlagen hat?“ oder (vor allem, wenn du in der Szene nicht mitgespielt hast) outgame: „Als du eben die Dunkle Königin nicht umbringen konntest, weil dich ihr Töchterchen so traurig angesehen hat: Da hatte ich Tränen in den Augen“. Beides flasht, beides zeigt den Mitspielern, dass sie etwas machen, was dir gefallen hat. Dem SL gibt es übrigens auch etwas – denn er hat ja in der Regel die Gegenseite gespielt, und für ihn ist es eine riesige Belohnung, wenn das zu einem Moment wurde, der jemanden gut gefallen hat.

„Ein gut aussehen lassen“ steht übrigens einem intensiven Konflikt zwischen zwei Charakteren nicht im Wege. Ich kann (und muss sogar besonderes auch in einem Konflikt zwischen zwei oder mehreren Charakteren darauf achten, dass dieser allen Beteiligten Spaß macht. Das heißt nicht, ihn zu vermeiden. Oder zu verkürzen. Aber es heißt schon, dass man darauf achtet, dass die Spieler (nicht unbedingt die Charaktere) Spaß haben sollen.

Feedback

Damit meine ich nicht den Feedbackbogen zum Ankreuzen, oder ein intensives Gespräch unter moderierender Aufsicht eines Konfliktcoaches – das ist viel zu formell für mich. Feedback kann haptisch: Spieler, die angespannt und vorgebeugt auf die Würfel starren. Die Fanmail geben. Die nach einer Szene applaudieren. Die im Spiel einfach noch mal zusammenfassen, was gerade passiert ist. Die ihre Begeisterung zeigen – oder auch mal nicht. Die überhaupt Emotionen am Spieltisch zulassen.

Storymitverantwortung

Als letztes, weil besonders kontrovers: Als Spieler trägst du Verantwortung für die Story. Also solltest du überlegen, was dein Verhalten auslöst. Klar, du kannst allen noch mal vor Augen führen, wie albern es ist, als Stufe 1 Charaktere in den Dungeon zu gehen: Ihr könntet alle sterben! Vielleicht ist sogar ein Drache darin! Aber dann wirst du nie herausfinden, was im Dungeon auf dich wartet. Und warum spielt ihr gerade ein Spiel namens Dungeons & Dragons?

Klar kannst du einen einsamen Waldläufer aus Ganz-weit-weg-hausen spielen, der schweigsam ist und einsam durch den Wald streicht. Aber wem hilft das jetzt genau? Ein Spieler hier aus der Gegend, der Beziehungen zu relevanten NSCs aufgebaut hat, der gerne in der Gruppe arbeitet und der Assassinengilde noch echt viel Geld schuldet, der wird vermutlich mehr Spaß haben, weil er viel mehr Gelegenheit bietet, mit den anderen Spielern und der Spielwelt zu interagieren.

Fazit

Alle erwähnten Spielertugenden verlangen von dir eine etwas von dem eigenen Charakter gelöste Betrachtung. Der Extrem-Immersionsspieler mag das vielleicht nicht, aber – Rollenspiel ist Teamsport. Der Blick auf die Mitspieler ist nicht zuviel verlangt, finde ich: Denn selbst der völlig in der Immersion gefangene Spieler findet seine Würfel, sogar die realweltliche Chipstüte, noch. Dann kann er auch mal gucken, wie es den anderen Menschen am Spieltisch so gefällt, was er gerade treibt. Diese Perspektive darauf, wie eine Erzählung ankommt, welche Intention der SL mit einer Szene wohl verfolgt, wer gerade Spotlight haben sollte: Das sind die SL-Regionen des Spielerhirns. Es ist daher kein Wunder: Die besten Spieler sind selbst oft und gerne SL.

Spielersünden

Den Tugenden stehen die Sünden gegenüber. Oft natürlich spiegelbildlich und daher redundant. Aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, noch mal ein paar besonders auffällige Sünden anzusprechen – auch weil sie anderswo als Tugend empfunden werden.

Ich-Fokus

„Mein Charakter ist aber so“ – für mich ist das ein Alarmzeichen. Dieser Satz fällt immer dann, wenn ein Charakter die Handlungen der anderen Spieler stört. Wer so denkt, ist kein Teamspieler! Charaktere fallen nicht vom Himmel, der Spieler hat ihn erstellt. Also bedeutet dieser Satz nur, dass der Spieler die Verantwortung für den Spielspaß der Mitspieler nicht annimmt – sonst hätte er seinen Charakter nicht so gemacht. Baue deinen Charakter NICHT so, dass du keine Motivation daran hast, Abenteuer zu erleben. Baue deinen Charakter NICHT so, dass er die Mitspieler nervt. Baue deinen Charakter NICHT so, dass er alles besser kann, als ein Charakter eines Mitspielers.

Gerade die Spieler, die Immersion als wichtigstes Gut im Rollenspiel nennen, haben oft den Ich-Fokus. Mehr Spaß hat eine Gruppe, wenn die Spieler auf den Spielspaß der anderen achten und diesen befördern.

Spotlight stehlen

Wenn die SL eine Herausforderung präsentiert, die am besten durch den schleichenden Dieb gelöst werden kann, dann sollte der Magier nicht hingehen und mit seinem Unsichtbarkeitszauber die Szene an sich reißen. Selbst wenn er es kann. Selbst wenn er es besser kann. Insbesondere, wenn sein „Charakter eben so ist!“ Ein brauchbarer SL achtet auf die Spotlightverteilung. Unterstütze ihn. Oder ersetze ihn, wenn er darin versagt. Aber reiß das Spotlight nicht gegen die anderen Spieler an dich.

Spotlight-Hogging

Wenn du im grellen Licht der Bühnenscheinwerfer stehst (also die Aufmerksamkeit des SL erfolgreich auf dich gezogen hast), dann mach hin. Jetzt stehst du auf der Bühne, also sei unterhaltsam. Es ist NICHT der richtige Zeitpunkt, zwei fast gleich gute Optionen langwierig gegeneinander abzuwägen. Tue was spannendes! Oder hole einen Mitspieler mit dir ins Spotlight, denn unterhaltsamer Dialog ist einfacher, als alleine das Spotlight zu rocken. Oder gib das Spotlight elegant wieder ab – spätestens, wenn du fertig bist. Echt jetzt, dass ist wichtig. Woher soll der SL wissen, dass du durch bist? Mach es klar und eindeutig.

Guck dir die Schnitttechnik moderner Filme an – das soll dir ein Beispiel sein, wie lange du das Spotlight hast. Der Abend ist besser für alle, wenn dein Spotlight oft aber kurz kommt, als selten, aber dafür lang. Überfordere dich nicht selbst mit langem Spotlight – es ist schwer über lange Zeit unterhaltsam zu sein. Ein guter Rocksong ist nicht ohne Grund 3:40 Minuten lang.

Auf die Bremse treten

„Ich gehe erst mal einkaufen.“ Wenn die Gruppe eine Handlung plant, dann ist es keine spaßfördernde Maßnahme, alles wieder zu bremsen. Gerade vorsichtige Spieler, Bedenkenträger und Taktiker sind an dieser Stelle gefährdet. Tritt aufs Gas, nicht auf die Bremse.

Exkurs: Konflikte

1. Konflikte zwischen den Charakteren

Oben, in den Spielertugenden, war viel von Rücksicht auf andere Spieler die Rolle. Was heißt das für die Konflikte zwischen den Charakteren?

In einem Teamspiel sollte man nicht versuchen, auf Kosten der anderen zu gewinnen. In dem Sinne „gute Konflikte“ sind solche, bei denen es sich nicht die Niederlage des einen bedeutet, dass der andere Erfolg hat. Beispiel für einen schwierigen Konflikt: Zwei Spieler wollen König von Aquilonien werden. Für beide wäre es eine Niederlage, dieses Ziel nicht zu erreichen.

Einfacher sind Konflikte, die man auch verlieren kann, oder die nie entschieden werden müssen: Die lebenslustige Tochter und der moralinsaure Onkel z.B., oder der CIA-Mann mit Cowboyhut und die französische Agentin mit einem Fabile für Austern: Sie können natürlich gerne über die Überlegenheit ihrer Nation, ihres Lebensstils oder Geschlechts zicken, solange sie dann, sobald die Bösewichte auf dem Bildschirm erscheinen, beide in die gleiche Richtung ballern.

Spielt man wirklich Game of Thrones im engeren Sinne, will man also wirklich im Konflikt das Maximum herausholen, dann halte ich Rollenspiel für die falsche Methode – das Brettspiel Diplomacy ist vielleicht geeigneter. Damit ein solcher Konflikt im Rollenspiel Spaß macht, darf das Spielziel nicht das Gewinnen per se sein. Wenn hingegen die Spieler auch bereit sind, Mitverantwortung für den Plot zu übernehmen und ggf. zurückstecken oder eine dramatische Niederlage anspielen wollen, dann kann das sehr spannend sein.

2. Konflikte zwischen den Spielern

Konflikte zwischen den Spielern will ich nur insoweit besprechen, wie sie Tischthemen betreffen. Also nicht: A schuldet mir noch Geld, sondern: Ich habe keine Lust mehr auf unsere Star Wars-Runde, lasst uns bitte wieder Vampire spielen. Oder: Heinz Charakter, der Kender Quendan, der immer seine Gruppenmitglieder bestiehlt, nervt mich.

Hier kann aber leider nur eine Sache helfen, und die ist nicht neu: Macht eure Präferenzen deutlich, lasst euch – wenn es geht – auf einen Kompromiss ein, oder – wenn nicht – sucht euch eine andere Runde. Nie nie nie solltet ihr diesen Konflikt ins Spiel tragen. Tötet Quendan nicht.

Schlusswort

Eine tolle Spielrunde hängt weniger vom SL ab, als man denkt. Die Spielerzusammensetzung macht es aus! Aktive, treibende Spieler, die zusammen spielen wollen – auf den Spielspaß der anderen achtend, sich gegenseitig die Bälle zuspielend, fokussiert und enthusiastisch, können ganz ohne SL oder mit minimalstem SL-Input eine fantastische Rollenspielrunde sein. Das soll die Rolle des SL nicht schmälern, er ist hier nur nicht Gegenstand der Betrachtung. Natürlich kann der SL bestimmte Defizite der Runde ausgleichen – aber selten besser als ein entsprechender Spieler.

Sei ein besserer Spieler!

Die Frage aller Fragen: Settingbände lesenswert gestalten?

Damals waren 248 Seiten Setting noch viel.

Es gab mal eine Zeit, in der habe ich mit größter Lust Werke wie „Das Land des Schwarzen Auges“ gelesen.

Das war gelogen.

Gut, damals habe ich ALLES gelesen. Papas SciFi-Romane. Omas Krimis. Sachbücher. Egal was. Und diese Box. Wenn ich ganz fair erinnere… diese Box war schon damals kein echter Genuss. Aber da wir damals DSA spielten (und ich zumeist geleitet habe), war das schon irgendwie interessant. Aber ich habe keine positive Erinnerung daran, wie ich mit träumerischen Blick über dem Text saß und mir Abenteuer ausdachte.

Würde ich mir das heute noch antun, einen solchen Settingband (auch noch am Stück von Vorne bis Hinten) zu lesen? Die Antwort ist: Nein. Sicher nicht.

Mich an ein neues Setting heranzuführen ist deshalb verflixt schwierig. Ich versuche zu analysieren, warum das so ist, und wie man mich „kriegt“. Weiterlesen

Hintergrundgeschichte als Spieler ins Spiel einbauen

Ich habe gegen langweiliges Charakterspiel gerantet und viel Zuspruch geerntet. Und noch mehr Widerspruch – in den Kommentaren, im Tanelorn und sehr ausführlich bei Pen & Podcast. Vielen Dank – so viel Feedback macht Spaß! Besonderen Gruß an die Crew des Pen & Podcast, die zu dem Beitrag eine sehr interessante Folge aufgenommen hat.

Heute will ich hier auf die Frage eingehen, wie man – als Spieler – seinen Hintergrund denn sinnvoll und spaßfördernd einbringt, ohne zu langweilen.

Bleiben wir bei dem Beispiel, dass der PC als Kind seine Eltern an eine Gewalttat verloren hat (NÄ NÄ NÄ BATMAN) und nun für sich Festlegung getroffen hat, dass er niemals Kindern Gewalt antun wird. Nach einigen Spielabenden will er nun die böse Königin töten, um so deren finstere Pläne zu vereiteln – sie scheint der Bossgegner zu sein. Als er den Dolche zückt, sieht ihn die niedliche Tochter der bösen Königin mit großen Kinderkulleraugen an und sagt: Mama? (Abb. ähnlich)

Bild von tobbo, CC0-Lizenz.

Er zögert. Drama. Die Musik schwillt an. Der Dolch zittert in seiner Hand. Nahaufnahme des Gesichts des Mädchens, eine erste Träne rinnt. Die Kamera schwenkt auf das Gesicht von PC1, der gerade… Ein lautes „HÄH?“ unterbricht, das Kratzen der Nadel über die Schallplatte ist zu hören, die Musik verstummt. Die Kamera fokussiert auf dem Gesicht der Spielerin von PC2, nennen wir sie Ela, die fragt: „WAS IST DENN NUN WIEDER? TÖTE SIE ENDLICH! ICH WILL LOOTEN!“ Weiterlesen

„Charakterspiel“ ist Zeitverschwendung

„Ermuntere und fördere Charakterspiel“ schreibt „Thorsten spielt Rollenspiel“ in seiner Übersetzung eines interessanten Artikels, nämlich „These 2 Things Are All You Need To Do To Be A Great GM“ von Hayley Gordon. Das ist ein spannender Ansatz, in dem ich viel von „meinen“ Techniken wiederfinde.

Aber was ist dieses Charakterspiel eigentlich und warum wollen wir das?

In meinen schlimmsten Alpträumen sitzen die PCs in einer Taverne zusammen und erzählen sich gegenseitig ihre Hintergrundgeschichte. *brr* Mit schlechtem Akzent und Fake-Mittelalter-Sprech (bei Praios, meiner Treu!)

Das ist lahm. Das will ich nicht hören. Das interessiert mich nicht. Und es ist nicht mal Rollenspiel: Denn Rollenspiel ist die Handlungsgestaltung durch Interaktion mit den anderen Spielern, nicht der Monolog über einen Handlungsabschnitt, an dem die anderen Spieler nicht teilgenommen haben.

Es ist übrigens auch objektiv langweilig. Deshalb kommt es in Filmen auch nicht vor. Weiterlesen

RPG-Blog-O-Quest #21: Blogs

rpg-blog-quest-logoDie Fragen:

1. Warum hast Du Deinen Blog gegründet/gestartet?

Diesen hier? 2010 habe ich das mal aufgeschrieben. Ich hatte damals schon Themenblogs wir www.cyberpunk2020.de und www.fatersp.de (heute in faterpg.de aufgegangen). Dazu rsp-blogs.de und den Rollenspiel-Con-Kalender www.rollenspiel-cons.info (letzterer heute in den guten Händen von Roland). Aber ich wollte eben auch mal zu Themen schreiben, die nichts mit den beiden Systemen zu tun hatten, nichts mit Rollenspielblogs und schon gar nichts mit einem Con-Kalender.

2. Hat sich Dein Blog so entwickelt wie erhofft?

Nein. Und ja. Nein, weil mein Mitblogger Jörg die Tastatur schon lange ruhen lässt. Dabei haben wir diesen Blog damals u.a. gegründet, weil er für seine Beiträge ein neues Zuhause brauchte. Ja, weil sich die Leserzahlen und die Wahrnehmung des Blogs wirklich sehr positiv entwickelt hat. Ich sage nur – ich werde ernst genommen, wie man diesem Bild hier sehr gut erkennen kann:

Mal ernsthaft: Gerade der von mir organisierte Karneval der Rollenspielblogs zum Thema Romantik & Liebe war ein großer Erfolg für dieses Blog hier. Ich hatte viel Spaß.

3. Wird es 2017 auf Deinen Blog kostenlose Abenteuer geben? Wenn „ja“ für welche Systeme?

Definitiv nicht. Warum? Weil ich keine Abenteuer schreiben kann. Ich denke nicht mal in Abenteuern, sondern bestenfalls in Szenarien. Mein Stil als SL ist das viel zu Charakterfokussiert, als das ich ein Abenteuer verfassen könnte. Spielberichte aber vielleicht mal…

4. Was wünscht Du Dir von Deinen Followern?

Mehr Groupies? Nein, positives Feedback ist meine Droge.

5. Welche drei anderen Blogs verfolgst Du am liebsten?

rsp-blogs.de (auch wenn Selbstlob stinkt – dafür habe ich es ja gemacht) deckt mit einer Adresse eigentlich alles zum Thema Rollenspiel ab. Und basiert auf WordPress, ist also ein Blog!

Den Lawblog vom Kollegen Vetter.

xkcd ist kein Blog im engeren Sinne, aber hat einen RSS-Feed.

Bonusfrage: Was würdest Du gerne an Deinem  Blog ändern wollen?

Ich bin eigentlich schon sehr glücklich mit dem Blog. Inhaltlich würde ich gerne mal die angedachten Leitfäden „Richtig Spielleiten“, eine Anleitung für Spielleiter und das „Richtig Spielen“, eine Anleitung für Spieler, machen. Aber dazu müsste ich erstmal rausfinden, wie ich überhaupt leite. Und ich bin da oft so im Flow, dass ich das hinter kaum noch rekapitulieren kann.

Die Regeln:

  • An jedem Monatsersten stellen Würfelheld oder Greifenklaue in abwechselnder Reihenfolgen fünf Fragen/Lückentexte, welche wir Euch bitten auf Euren Blogs, in Euren Podcast, in Euren Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. auszufüllen).
  • Jeder Monat erhält ein Hauptthema, um den sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung Eurer Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen wir uns.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, unsere Fragen zu beantworten ist herzlich Willkommen.
  • Die “RPG-Blog-O–Quest” Logos dürfen selbstverständlich in Euren Beiträgen benutzt werden. (alle drei, welches besser gefällt.)

Was ist ein Blog-O-Quest?

Positives Feedback

Wenn du mal wieder so richtig schön platt bist, geschafft. Und eigentlich nur noch eine Woche im Bett bleiben willst, aber die Arbeit verlangt Überstunden: Dann ist Gratisrollenspieltag-Vorbereitungszeit. 2017 war ich echt nicht gut zum GRT. Moritz übrigens auch nicht. Das es den GRT in dieser Form (und wir sind mit 2017 nicht zufrieden) überhaupt gegeben hat verdanken wir asri und Olenna – die beiden Neuen im Team. asri hat z.B. ganz viel von der Kommunikation gemacht, die über Website und Social Media reinkam. Und Olenna hat einen tollen Fragebogen entwickelt, mit dem wir Feedback von den Orgas vor Ort einholen konnten. Weiterlesen