Frauen im Rollenspiel oder von veralteten Rollenbildern/Klischees denen man trotzen sollte.

 

Ich weiß nicht was mich zu diesem Blogbeitrag bringt, denn eigentlich fürchte ich, dass es wieder so eine Crossgender Diskussion gibt einst im Tanelorn.

Um es vorweg zu sagen ich finde es lächerlich, wenn sich irgendjemand hinstellt und sagt: „Du darfst das nicht, weil du so etwas nicht kannst.“ Die Leute mit denen ich für gewöhnlich spiele sind erwachsen genug und ich inzwischen tolerant genug um über solche Sachen einfach nur zu lächeln.

Vielleicht bedarf es einfach einer gewissen Reife oder eines guten Selbstbestseins um sich aus einer Position der Gelassenheit mit dem Thema auseinander zu setzen und zu sagen, dass doch mal bitte jeder machen soll, wie es ihm beliebt

Dabei geht es in den meisten Rollenspielen nicht mehr um Klischees oder veraltete Klischees. Frauen können alles genau so gut wie Männer und werden von den Regeln nicht mehr ausgebremst.

Wenn ich da veraltende Bild der hübschen Frau an der Seite der Helden sehe und mir dann als Inspiration Serien wie Nikita, NCIS, NCIS LA, Dark Angel um zu sehen, dass man eine starke Frau auch sexy spielen kann ohne sie lächerlich zu machen. Natürlich gibt es auch noch andere Serien oder Kinofilme (James Bond mit Grace Jones) die Frauen aus dem klassischen Rollenbild reißen, aber im Rollenspiel sehe ich in den Beschreibungen zur Welt oft Informationen zu der Rolle der Frau die mit´ rgendwelchen Pseudo-Geschichtlichen Hintergründen begründet werden.

Greg Stolze geht mit der klassischen Millonesischen Reiterei mal einen anderen Weg und Mark Smylie mit Artesia sogar noch einen Schritt weiter.

Da sind taffe Frauen am Start und das nicht nur, weil ein paar Quotenspielerinnen zufrieden gestellt werden sollen. Bei Artesia merkt man das spätestens als die Leser dem Autor schreiben, er mäöchte seiner Heödin bitte endlich eine Rüstung gönnen, die zum Schlachtfeld passt und sie nicht halbnackt darüber laufen lassen.

Ich finde die Ansätze erfrischend und hoffe seit langer Zeit, dass ich auch auf Cons mal mehr Spieler und Spielerinnen sehe, die erkennen das es bei Frauen genau so unterschiedliche Charaktere und Temperamente gibt wie bei Männern und das der Schritt vom Spielen eines Mannes zu einer Frau kulturell wohl viel einfacher ist als der zu Zwergen, Elfen, Trollen, Orks oder was auch immer.

Selbst wenn es eine Kultur gibt, in der so etwas theoretisch nicht denkbar ist, bleibt ein Spielercharakter etwas besonders. Er sollte den Klischees trotzen und das spielen, wozu ihm oder ihr gerade zumute ist.

Es gibt inzwischen genügend Rollenforbilder für starke Frauen, an denen man sich orientieren kann wenn es um das Darstellen von starken Frauen oder emanzipierten Charakteren geht.

Also traut Euch mal, dem Klischee zu trotzen.

 

Warum Blogs gut für die Rollenspielszene sind

Logo des Karnevals der Rollenspielblogs

Karneval der Rollenspielblogs

Eine Replik auf den “Rant” auf Ludus Leonis und gleichzeitig ein Beitrag zum Rollenspielkarneval im Juni (Das Hobby Online).

Markus ist der Ansicht, dass Blogs zu einer Zersplitterung der Szene führen, das wir alle besser daran täten, statt zu bloggen uns wieder mehr in den Foren herumzutreiben statt uns im Blog einzuigeln und jeder Kritik aus dem Weg zu gehen. Nun ist Markus ein von mir hochgeschätzter Rollenspieler und -spielautor, und natürlich hat er keinesfalls völlig Unrecht. Es gibt eine gewisse Tendenz dazu, seine Gedanken – die man einst ins Forum postete – in Blogs niederzulegen; auch und gerade, um sie nicht im Forum kaputtgeredet zu bekommen. Aber ich kenne niemanden, der sich völlig aus allen Foren zurückgezogen hat und jetzt nur noch bloggt. Es gibt natürlich Blogger, die in bestimmten Foren nicht mehr erwünscht sind (und dann auf ein Blog ausgewichen sind) oder mit der “Diskussionskultur” in bestimmten Foren nicht einverstanden sind (und deshalb ein eigenes Forum gegründet haben). Alle anderen hingegen sehe ich noch in Foren – insbesondere sticht Lord Verminard dabei ins Auge, dessen Tage als Blogger (er betrieb das exellente Wildelande) gezählt sind. Mir erzählte er mal, dort habe er alles gesagt, was er habe sagen wollen.

Nein, der Vorteil von Blogeinträgen liegt darin, dass sie vollständiger sind, viel durchdachter. Wenn ich z.B. im Tanelorn poste, dann sind das oft Gedankenfragmente, angerissen, gegen das Publikum gespielt – unausgegoren. Sie sollen in der Diskussion reifen. Ein Blogeintrag hingegen ist dann oft das Ergebnis dieses Prozesses. Was ist übrig von der ursprünglichen Idee? Was hat sich als richtig erwiesen, was war Quatsch? Das fasse ich dann in einem Blogbeitrag zusammen.

Und dieser Blogbeitrag ist dann viel leichter zu finden und zu verstehen, als es eine Diskussion in einem Forum ist. Mal abgesehen davon, dass die Suchmaschinen ganz offenbar Foren benachteiligen (und Blogs bevorzugen), sind die Artikel einfach prominenter. Und zugänglicher. Greifen wir uns mal die Artikelreihe von dem oben genannten Markus heraus, in dem er über die Verwendung von Tools schreibt, die eigentlich für Programmierer geschrieben wurden (z.B. svn) – solche Dinge findet man in Foren nicht, weil jedes Fitzelchen an Information in eigenen Beiträgen versteckt ist und man sich zu 12 Seiten Diskussion quälen muss, um alles zu finden. Ein anderes Beispiel ist der Artikel auf diesem Blog zum Thema Barbiespiel, der als Eintrag im Tanelorn begann. In der Diskussion in anderen Foren wird aber immer auf diesen Blogartikel verwiesen – im Tanelorn ist er nämlich so komprimiert nicht zu finden, dort muss man den ganzen Diskussionstrang mit immerhin 10 Seiten lesen.

Blogs sind (für mich) daher oft Extrakte von Diskussionen, vernünftig aufbereitet, gut lesbar und leicht zu finden. Sie stehen neben den Beiträgen in Foren, sie ersetzen sie nicht. Bestenfalls führen sie sogar dazu, dass in den Foren nicht immer wieder die gleichen Dinge diskutiert werden müssen, weil Neueinsteiger mit deinem kurzen Link auf den Stand der Debatte gebracht werden können.

Auch das mit dem Ego (Mein Blog, mein Artikel) halte ich für nicht so ganz zutreffend. Klar ist es hübsch, eine eigene Website zu haben. Aber eine in den Foren als Autorität akzeptierte Stimme zu haben ist ein deutlich besser spürbares Streicheln der Eitelkeit, als es ein noch so hochfrequentiertes Blog sein kann. Unmittelbares, positives Feedback ist nämlich toll. Und spätestens wenn man das Tanelorn-Treffen besucht hat, hat man auch echte Freunde gewonnen.

[tl;dr]Blogs stehen neben Foren, sie ergänzen sie und verdrängen sie nicht.

Reign-Artesia Diary: Der Tod von Conrad zu Nagria

Meine Spieler geben zur Zeit mal ein wenig Gas und schreiben wieder Diarys:

 

Das Treiben in dem Gasthaus, indem die Gesellschaft um Cormack Sturmfels, frischernannter Lord of Westgate, sowie Liam und ihre Begleiter untergekommen waren, wurde bereits zur frühen Abendstunde schwächer. Nicht unerwartet, denn nicht umsonst hatten sie ein etwas besseres Haus als Unterkunft gewählt, um hier nicht mit übermütigen Volk aneinander zu geraten, die sich zu viel von billigem Wein und Schnaps genehmigt haben. Die Reise an der Nordküste der Watchtower Kingdoms, am Ufer der Bucht der Tränen verlief zwar einigermaßen erfolgreich, aber gerade in den letzten Tagen deutlich zu unruhig, um nicht zu sagen, geradezu hässlich. Die hübsche Nicala, eine Schankmaid hier im Hause, die mit behutsamen Händen die Prellungen und Verstauchungen an Liams linkem Arm versorgte, war ein Beweis für die jüngsten ruppigen Zwischenfälle auf dieser Reise.

 

Leicht stöhnend verlagert Liam sein Gewicht etwas nach hinten, in Richtung Lehne der Bank, auf der er Platz genommen hatte. Mit mitleidenden Gesicht versucht die Magd, ihn dabei zu unterstützen, was Liam mit einem kurzen Lächeln quittiert. “Habt Dank, liebste Nicala, für deine fürsorgenden Hände. Doch du hast mir heute bereits genug geholfen, bitte, ich entlasse dich für heute.” Mit seiner gesunden Hand tätschelt Liam die der Magd, legt einige Münzen in die ihre, und wartet dann ihren Dank und ihren Rückzug aus dem Schankraum ab, bevor er sich wieder Cormack zuwendet. “Ich hörte, eure Ansprachen in den letzten Tagen haben zumindest teilweise Erfolg gehabt? Man sagt, eine Reihe von Freiwilligen macht sich auf den Weg in Eure Stadt, Cormack, und sammelt sich unter eurem Banner. Das sind gute Nachrichten für euer Lehen, und sollte dessen Aufbau doch vorantreiben, denkt ihr nicht? Hoffentlich missverstehen unsere Nachbarn diese Taten nicht. Sowohl Angowrie und die mit ihm verbündeten Watchtower Kings an der hiesigen Küste, als auch Lord Bran betrachten uns mittlerweile mit Sorge.”

 

Cormack’s Gesicht verdüstert sich bei diesen Worten sehr deutlich. „Ich bin selbst auch unzufrieden Liam. Die Reden waren alle eher dürftig und vollkommen ohne Blut und Fleisch. Das liegt hoffentlich nur daran, dass ich mich selbst noch nicht fest in der Rolle eines Lords sehe.” Cormack‘s linke dreht die Gabel auf dem Tisch im Kreis, während seine rechte abwesend mit einem Knochensplitter die Tischplatte verunstaltet. Liam zwingt sich schnell dazu, den Blick davon abzuwenden. Es ist immer noch verwirrend, jemandem dabei zuzusehen, wie Cormack zwei vollkommen unterschiedliche Dinge mit den Händen koordiniert kriegt. Plötzlich scheint Cormack sich innerlich zu Ordnung zu rufen oder vielleicht hat er auch endlich eine Entscheidung gefällt? Er faltet seine Hände auf dem Tisch und seine Augen suchen die von Liam. Der Blick gefällt Liam überhaupt gar nicht. Plötzlich ist die Familienähnlichkeit mit König Culwain, dem Goldenen Ritter überdeutlich zu erkennen.

 

Ich werde Handelsbeziehungen zu den einzelnen Watchtowerkings aufbauen! Und diese Straßen ausbauen. Ich werde für Lord Bran die Stadt die er haben will erobern. Mir ist klar, dass die Stormcrows noch keine Disziplinierte Eliteeinheit sind, aber ich werde eine daraus machen. Hier in der Stadt tun sie sich schon schwer damit, keine Blutfehden anzuzetteln und ich weiß, dass ich viel von ihnen verlange. Zum Ausgleich werden sie die Gelegenheit erhalten Morath zu plündern, bevor wir sie an Bran übergeben. Ich werde die Organisation zerschlagen, die Conrad gegründet hat und wir werden deren Finanzen unter uns beiden aufteilen!” Cormack’s Blick hat Liam keinen Augenblick losgelassen, so als würden all diese Dinge schon erledigt und keine bloßen Spekulationen sein. „Und anschließend,” setzt er nach einer kurzen Pause hinzu, „werden wir die Kinder suchen, die im Augenblick die Träger der Grundsteinseelen sind und ich werde dabei jeden Stein umdrehen, der Lord Redwall gehört, ungeachtet dessen ob dort seine Ritter drauf stehen oder nicht. Und wenn ich dabei jede seiner Ländereien den meinen einverleiben muss!”

 

Liams Blick wird ernst, als er Cormacks Plänen lauscht und dabei seine grimmige Miene betrachtet. “Oh, ich versichere euch, Cormack, den Lord sieht man euch an. Eure Pläne versprechen Westgate eine goldene Zukunft, doch sind dahin noch viele Schritte zu tun.” Ein leichtes Lächeln umspielt seine Züge. “Immerhin kenne ich euch gut genug, das ich eure Idee mit dem Handel mit Agonwrie’s Vasallen vorausahnen konnte. Damit ist die Keilerei mit König Roberts Agitator auf dem letzten Marktplatz zumindest gerechtfertigt. Bei Yhera, das die Stormcrows Räuber kann niemand bestreiten, ihr seid aber alles andere als der Räuberhauptmann, den der Sprücheklopfer der Menge verkaufen wollte.” Das Lächeln verzieht sich etwas, als Liam sich streckt und seinen Becher zum Prost erhebt. Liams Blick wird dabei jedoch kurz darauf abwesend, als er in Gedanken an dem vergangenen Ereignissen hängen geblieben ist, und er kurz den Kopf schüttelt. “Ich hätte ihm eigentlich mit Argumenten beikommen müssen, aber beredet ist der Knabe gewesen, das muss der Neid ihm lassen. Genauso wie seine harte Rechte. Bei Yhera, hab ich mich zum Affen gemacht. Viel hätte nicht gefehlt, und es wäre noch deutlich schlimmer gekommen.”

 

Vorsichtig trinkt Liam etwas von dem Wein, bevor er sich wieder Cormack zuwendet. “Trotzdem sind die Pläne gewagt, viel Ärger steht uns ins Haus. Conrads Gefolgsleute in Gallos werden wir zusammen besiegen, besonders mit der Hilfe eures neuen Gefolgsmannes. Die Stormcrows aber sind seit Generationen Räuber, die denjenigen folgen, der ihnen am meisten Beute verspricht. Das sie ihre Nachbarn in Frieden lassen ist für die Watchtower Kings nicht vorstellbar, und ich fürchte, den Stormcrows geht es da genauso. Sie zur Disziplin zu bringen erfordert viel Stärke. Ich weiß nicht, ob Agonwrie den Braten mit dem Handelsangebot wirklich traut, oder ob Westgate für ihn nicht doch nur eine Bedrohung ist, die er beseitigen will. Sollte der Handel mit König Robert klappen, könnt ihr sicher sein, das Lord Bran das ganze nicht sehr gut aufnehmen will – immerhin handelt ihr dann mit dem Feind seiner Freunde.” Ein Schmunzeln kehrt auf Liams Gesicht zurück. “Bedenkt man den letzten Gesandten, den Bran geschickt hatte, will ich nicht wissen, wen er mit wirklich zornigen Botschaften schickt. Sehr beeindruckend übrigens, wie ihr mit dem dummen Ochsen umgesprungen seid.”

 

Cormack lächelt amüsiert. “Irgenwie fühlt es sich gerade so an, als wäre ich eingeölt worden, damit ihr mich besser über den Tisch ziehen könnt. Respekt!” Cormack nickt anerkennend. “Wir machen noch einen richtigen Diplomaten aus euch.” Nach einem kräftigen Schluck gewürztem Starkbier spricht er weiter: “Die Stormcrows testen mich ja jetzt schon ständig. Der Minotaurus wäre ja gar nicht bis in den Thronsaal gelangt, wenn meine Leibwache das hätte verhindern wollen. Nicht nur Lord Bran wollte wissen wie ich das Problem handhabe.”

 

Beide schweigen einige Augenblicke, um den Gedanken hin und her zu wälzen. “Ich werde mehr mit den Stormcrows leben müssen in den nächsten Wochen und Monaten. Mit im Feld sein, mit ihnen bluten, mit ihnen töten, saufen und rumhuren. Wenn ich mir ihren Respekt erarbeitet habe, dann kann ich sie auch führen.” Ob Cormack das nur hofft oder ob er sich dessen sicher ist, lässt sich nicht ausmachen.

“Cla’uss am Hofe des Königs zu beschwören war mit einiger Bestimmtheit die größenwahnsinnigste Idee, die ich in meinem bewegten Leben bisher hatte. Und ich dachte mit Bran’s Mutter bezüglich eures Bruders und einer möglichen Heirat zu verhandeln wäre schon heikel gewesen …”

 

Wieder schweigen Beide und trinken von ihrem Ale. Cormack geht in Gedanken die letzten Wochen durch. Erst das Erscheinen am Königshof zu Huelt, dann ihr aberwitziger Plan Liams Bruder mit Brans Schwester zu verheiraten. Ihre Verhandlung mit Brans Mutter und deren Forderungen. Konrad und seine Gesellen tot zu sehen und die Stadt Morath für Bran zu erobern. Im Gegenzug die Heirat und Westcastle für Cormack selbst. Eine Idee, die König Culwain ihm vehement aufgedrängt hat. Die nächtliche Beschwörung von Cla’uss und seine Befehle: 1. Bei den Stormcrows als mein Fürsprecher zu fungieren. 2. Konrad und seine Offiziere bei einem Geheimtreffen platt wie Flundern zu machen. 3. Westgate in seinem alten Glanz wieder herzustellen. Cormack hängt diesem letzten Gedanken nach, als Liam ihn wieder ins Hier und Jetzt zurückholt.

 

Mit einem sanften Scharren zieht Liam die Klinge von Liams Schwert einige Zentimeter aus der Scheide. Unwillkürlich richten sich Liams Nackenhaare auf, als er sie betrachtet, und die dunkle Aura der dort gefangenen Seele fast sichtbar zu werden scheint. Seine Stimme wird zu einem Flüstern, als er antwortet. “Die Beschwörung war Wahnsinn, ja. Aber sie hat viel gutes für diese Lande bewirkt, ohne Zweifel. Eine der finstersten Seelen Huelts ist endgültig aus dem Kreislauf des Lebens getilgt worden. Egal, mit welchen finsteren Kräften Conrad von Nagria in Verbindung stand, ihr habt seine Seele an dieses Stück Metall gebunden. Kein Trick, keine Macht der Welt wird ihn ins Leben wieder zurückholen können – oder nicht? Viele Leute mögen schockiert sein von dem, was ihr getan habt. Aber es war, was getan werden musste.”

Leise schiebt Liam seine Klinge wieder in die Scheide zurück, und die Anspannung weicht aus seinem Angesicht und seiner Stimme. Er widmet sich wieder dem Ale. “Die Vereinbarung mit Brans Mutter war nicht sehr kompliziert, momentan kann sie dadurch nur gewinnen – und eine Ehepartner aus dem Hause Nagria oder Redwall würde den Stand ihrer Tochter nur noch mehr gefährden als mein Bruder, den sie wesentlich besser unter Kontrolle halten kann. Was jetzt kommt, wird wesentlich anspruchsvoller, fürchte ich: Conrads ehemalige Gefolgsleute in Gallos auslöschen und anschließend den Status meines Bruders und seiner Gattin in Gallos unterstützen. Ein Zerwürfnis mit Bran dürfte dem nicht sonderlich dienlich sein. Ich hoffe nur, das euer neuer Gefolgsmann in Gallos derzeit Glück hat. Wir werden alles an Informationen über diese Bande brauchen, um möglichst ohne große Verluste und zu viel Aufhebens mit ihnen Schluß zu machen und ihre Schätze für unsere Zwecke zu gewinnen. Sagt, was wisst ihr eigentlich von ihm?”

 

Cormack rückt ein wenig unruhig auf der Bank hin und her bevor er antwortet. „Ich kenne Sirads Schwester.“ Cormack räuspert sich ein wenig errötend. Das ist jedoch schon einige Jahre her. Damals war ich als Faustpfand für ein Lösegeld in Gefangenschaft. Er hat Drillinge als Geschwister, die relativ gut mit den Kurzschwertern sind. Wir sind damals ein wenig aneinander geraten und wir haben uns die eine oder andere blutige Lektion erteilt …“ Cormack schweift in Gedanken ab. Liam beobachtet das eine Weile schweigend. Doch dann wird es irgendwann albern, da Cormack nicht zurück zu kommen scheint. Liam knallt daraufhin den Krug Ale etwas fester auf den Tisch, um Cormack wieder zurück zu holen. Liam hat irgendwie das Gefühl, dass Priester, Magier und Eingeweihte alle irgendwie einen Drang haben, sich in ihrer eigenen Gedankenwelt zu verlieren. Ob das jetzt ein schlichter Nebeneffekt ist oder eine Grundvoraussetzung, das bleibt wohl weiterhin ein Geheimnis.

 

Cormack richtet sich auf, ganz so, als wäre er bei etwas unzüchtigem erwischt worden. „Ihn kenne ich jedoch nicht und bin ihm bis vor kurzem nie begegnet. Seine Geschwister sprachen jedoch immer mit Ehrfurcht von ihm und seinen Fähigkeiten, die Dinge klar zu erkenne, zu benennen und hinter die Kulissen und Fassaden zu schauen. Ich hoffe wir haben ihn nicht in sein Unglück geschickt, denn von seinen Fähigkeiten mit dem Schwert weiß ich wenig.“ Cormack blickt hinüber zu einer Gruppe Stormcrows, die beginnen sich um das recht zu streiten, eine der Schankmaiden nachher zu „entführen“. Auch Liam wirft einen interessierten Blick herüber. Kurz bevor es handgreiflich wird, straft Cormack die Schultern und zieht eine Augenbraue steil nach oben. Irgendwer dort drüben scheint die Unmutsäußerung wahrgenommen zu haben, denn die Lage beruhigt sich, ohne das Schädel eingeschlagen werden müssen.

„ … viel Stärke …“ brummt Liam vor sich hin.

„Cormacks Ebene und jetzt Conrads Seele in eurem Schwert. Merkwürdig, wenn ich mir früher meine Zukunft ausgemalt habe, dann war die nie so düster und unheilverkündent.“ Ungeachtet der unheimlichen Vorgänge, des schlechten Rufes und der dazu passenden Stimmung, lächelt Cormack, wie ein kleiner Schuljunge, der einen grandiosen Streich für seine Lehrer vorbereitet hat. Jetzt wirkt er wieder mehr wie König Culwain, was Liam einen eisigen Schauer der Vorahnung über den Rücken jagd.

 

Raduck, der Captain von Cormacks „Palastwache“ eilt plötzlich in Gaststube und überreicht ihm eine Depeche. „Lord Cormack, einer unserer Besten brachte dies auf schnellen Schwingen aus Westgate.“ Cormack überflog die Depche schnell und reicht sie dann an Liam weiter. „Wie es aussieht hat unser Freund genug herausgefunden und auch seine erste Begegnung mit Messer Jockel gehabt. Es sieht so aus, als müssten wir aufbrechen. Hoffen wir, dass die der Unterhändler von König Robert morgen in aller Frühe schon zu einem Gespräch bereit ist. Wir sollten die Gesellschaft zum Aufbruch bereit machen und ich sollte den Göttern noch ein Opfer darbringen, damit wir morgen nicht mit heruntergelassenen Hosen erwischt werden, sollte König Robert eine sehr einseitige Verhandlung bevorzugen.“

 

Mühsam streckt sich Liam, nimmt den Brief entgegen und überfliegt die Zeilen. „Mist!“ entfährt es ihm. „Immerhin lebt Sirad von Amora noch – das heißt, das Messer-Jockel noch nichts von uns weiß. Hoffentlich nicht, zumindest. Sirad kannte nur einen Anlaufpunkt meiner Freunde.“ Er rollt die Depesche zusammen und reicht sie an Cormack zurück. „Nun denn, dann lasst uns den Abend beenden.“ Behutsam steht er auf und erhebt seinen Humpen. „Ihr habt recht, wir müssen morgen früh los und hellwach sein. Auf eine geruhsame Nacht, und auf das uns die Götter morgen immer noch holt sind!“

Reign-Aventurien (reloadet) Aventurien wird demokratisch!

Wie ich schon im Blog von gestern geschrieben habe will ich mit meiner Gruppe eine Reign Kampagne spielen die nach einem Krieg spielt der die Welt verändert hat und Aventurien nun ohne Götter darstehen lässt.

Das wird natürlich jedem Hardcore Fan des Settings die Tränen in die Augen treiben aber was soll, ihr müsst das ja nicht spielen. Zur Zeit warte ich noch auf die Genehmigung  der Erstellers einer alternativen Karte, diese auch zu benutzen, aber keiner der 3 Herren die ich angesprochen habe hat sich bisher geäußert.

Naja, sonst muss ich einfach mal ein bisschen spielen und die Karte selber entwerfen. (Gute Maptools soll es ja geben)

Aber kommen wir zum Kernthema der Kampagne, der Demokratie. Ich habe mir überlegt das das Fehlen der Götter eine Art Machtvakuum hinterlassen würde das von Magiern und Scharlatanen dazu genutzt wird sich eine Machtbasis aufzubauen. Viel der noch funktionierenden Ableger von Kirchen werden von Magiern betrieben die in der Religion ein Mittel sehen mehr weltliche Macht zu projizieren.  (Diese Idee stammt vom Orko)

Aber auch so komische Sachen wie die Demokratie könnten in der Zeit ohne Götter Einzug gehalten haben, da der Klerus als klassische Stütze der Macht wegfällt und das Verhalten der Gläubigen nicht mehr durch die Kirche gelenkt werden kann.

Eine meiner größten Sorgen ist es, eine Art Demokratie zu finden, die ich mit den Überbleibseln der Kultur der Maraskaner verweben kann.

Warum Marsakan?

Weil die Insel oder ehemalige Insel mit einer Bergkette versehen ist und damit ein passendes Closed Room Szenario für den Anfang der Kampagne darstellt. Es gibt eine Menge Städte die vom Meer in die Berge geflohen sein könnten und das Meer (wenn es denn so bleibt wie es ist) trennt diese Domäne vom Rest, so dass die Gruppe erst einmal sicher ist oder nicht zu sehr aus dem Ruder laufen kann.

Merke SL Willkür! Die Meere sind noch zu gefährlich zum Reisen und ich muss nur einen Ausschnitt der Welt vorbereiten, während die Spieler ihre Insel unter Kontrolle bringen. Ich suche derweil erst einmal nach einer Box mit Infos zu Marsakan und durchforste das Wiki Aventuria zu passenden Namen und politischen Verhältnissen.

Den Rest überlasse ich meinen Spielern, denn jeder von ihnen muss mindestens eine Stadt auf der Insel grob ausarbeiten, wobei er sich auf die Pläne und Unterlagen des Originales beziehen soll.

Auf diese Art hoffe ich die Spieler ins Boot zu holen und mit ihnen eine Welt zu bauen, die 100% nach ihrem Geschmäckle ist.

 

Neben diesen begrenzten Szenario liegt mein Hauptaugenmerk darauf eine Art Demokratie zu finden, die man als „aventurisch“ verkaufen könnte. Hier gilt es jetzt die Kulturellen Eigenschaften der jeweiligen Nationen zu bedenken und daraus etwas zu bauen, dass in Etwa dem entspricht was man dort erwarten würde.

Amerika und Deutschland sind auch beides Demokratien und dennoch haben diese Länder recht eigene Auffassungen davon was nun die bessere Demokratie ist.

 

Was haltet ihr von diesen Ansätzen?

 

Edit:

 

Ein sehr lesenwerter Kommentar vom Praesi im Tannelorn:

[quote author=Praesi link=topic=75068.msg1536658#msg1536658 date=1338539065]
Der in Maraskan tief verwurzelte [url=http://www.wiki-aventurica.de/wiki/Rur-Gror-Glaube]Rur-Gror-Glaube[/url] ist mehr eine Philosophie denn eine “echte” Religion. Es gibt (in Deinem Falle: gab) keinen “echten” Gott, keine mächtige Entität an der Spitze einer Glaubenspyramide. Vielmehr handelt es sich hier um ein dualistisches, ausgleichendes Konzept, ein philosophisches Konstrukt – welches mMn für aventurische Verhältnisse schon ziemlich nahe an einer Demokratie ist. Zumindest ist das ein hervorragender Nährboden! Sekten gab es auch vor der “Götterdämmerung” schon zu Hauf – da dürften / könnten durchaus einige dabei sein, die sich demokratischem Gedankengut hingeben oder es gar als Gesellschaftsform “ausprobieren”. Das läßt sich sicher problemlos in Deinem Sinne hinbiegen!
Wobei sich auf Maraskan strukturell gar nicht viel verändert haben sollte! Dem philosophischen Rur-Gror-Konzept fehlt nach dem Sturz der Götter nichts, was es vorher gehabt hätte. Vielmehr fehlt es dem Rest Aventuriens an den großen, religiösen Obermotzen!
Meine 2ct: Maraskan dürfte ein recht fruchtbarer Boden für eine demokratische Gesellschaft sein – zumindest im Verhältnis zum Rest Aventuriens. Die Menschen sind spirituell nicht schlechter dran als vor dem Sturz der Götter. Da ist mMn gar nicht viel “Feuer und Schwert” nötig, sondern vielmehr politisches Geschick. Demokratische Ideen müssen verbreitet und entsprechedne Strukturen eingerichtet und gefestigt werden. Die Devise für die Spielgruppe könnte “Go for President” sein 😉 . Danach kann dann der Rest Aventuriens “demokratisiert” werden – gerne auch mit Feuer und Schwert ;D . Das hat Potenzial ohne Ende. Aktuelle Beispiel für das Aufeinandertreffen von Demokratie, Diktatur, wirtschaftlichen Interessen, Religion, Ideologien und Idioten gibt es täglich mehrmals und kostenlos in den RL-Nachrichten :gasmaskerly:
[/quote]