Was ist denn nun ein guter Spieler?

Im Rahmen meine besserer Spieler Wochen will ich nach den ersten Fragen mal etwas sachlicher mit dem Thema umgehen und die Bild Zeitung der RSP Blogs in etwas ruhigere Gewässer führen. Die eigentliche Betrachtung des Themas ist sehr interessant und ich will mich dieses Mal von einer nicht so populistischen Seite an das Thema machen, sondern es etwas konstruktiver angehen.

Ein guter Spieler ist wohl für jeden SL etwas anderes, der eine SL erwartet Regelkenntnis, der andere SL eher ein angenehmes Wesen oder Pünktlichkeit. Meiner Erfahrung nach variiert mein Anforderungsprofil für Runden, also das was ich als guten Spieler betrachte sogar von Kampagne zu Kampagne. Das hängt bei mir aber mit den sehr unterschiedlichen Spielstilen zusammen, die ich in meinen Runden pflege.

Ein Guter Spieler ist also für mich immer der, der zu einer bestimmten Kampagne passt, dass kann also von persönlichen Stärken zu spielerischen Fertigkeiten oder ausgeprägter Regelkenntnis wechseln.

Im Idealen Falle decken die Spieler alle Bereiche ab, aber das ist wohl eher ein Wunschdenken eines SL als die blanke Realität.

Doch kommen wir zu dem was wohl alle guten Spieler ausmacht, die ich kennen. Abseits von Regelkenntnis oder persönlichen Stärken sind sie in der Lage mit dem SL zu kommunizieren.

 

1.)

Ein guter Spieler redet also meiner Meinung nach mit seinem SL und seiner Gruppe um zusehen, was im Spiel für seine Mitspieler wichtig ist.

 

Die Sache mit der Kommunikation ist halt so eine Sache aber sie ist und bleibt bei einem sozialen Event wie dem Rollenspiel das entscheidende Argument. Natürlich wird die Kommunikation unwichtiger, wenn man schon lange miteinander spielt, weil sich die Spieler einfach gut kennen.

Dennoch möchte ich die Aussage in den Raum werfen, das Kommunikation auch bei bestehenden Runden oft unterschätzt wird und alle mehr Spaß haben können, wenn sie ihre Wünsche und Gedanken zum Spiel besser mitteilen oder die auf die Anregungen und Wünsche der anderen Spieler eingehen.

Ich habe es schon oft erlebt, dass mich Spieler in eingespielten Runden mit großen Augen anguckten als ich sie fragte, was die eigentlich wollen oder woran sie im Spiel viel Spaß haben. Zusätzlich haben sie mich beim Feedback nach der Runde erschreckt angesehen, als ich ihnen meine Beobachtungen zu ihrem Spiel mitteilte. Da war zwischen der Fremd und der Eigenwahrnehmung in der Regel ein gehöriger Unterschied. Um diesen Effekt zu verdeutlich greife ich mal auf ein Beispiel aus der Personalentwicklung zurück und bemühe das Johari Fenster.

 

Das Johari Fenster

 

 

Das Johari-Fenster ist ein Fenster bewusster und unbewusster Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale zwischen einem Selbst und anderen oder einer Gruppe.  (Quelle Wikipedia)

 

 

 

 

Die Eisberg Sicht der Geheimnisse

Das Eisberg Modell:

Wenn man den Eisberg betrachtet, dann ist der sichtbare Teil des Eisberges die öffentliche Person, er ist anderen bekannt. Der viel größere Teil der Person oder Persönlichkeit ist aber wie beim Eisberg unbekannt. Sowie der „Blinde Fleck“, also das was andere über mich wissen oder denken als auch „Mein Geheimnis“ stehen für Sachen die Raum zur Verbesserung als Spieler geben, wenn man mit seinem SL und den Mitspieler kommuniziert.

 

 

Das mag sich auf den ersten Blick vielleicht etwas esoterisch anhören, weil gut miteinander Reden einem aus der Sicht von vielen Rolenspielern nicht zu einem besseren Spieler macht. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass man besser spielt je wenn man seinen Mitspielern seine Wünsche mitteilt und die einem zusätzlich Feedback geben.

Das gilt auch absolut für bestehende Runden in denen mal glaubt alles zu wissen.

Das „Unbekannte“, was weder die Mitspieler wissen noch man selber weiß ist der nächste Punkt bei den möglichen Verbesserungen als Spieler. Wenn man sich offenen Herzens an das Unbekannte wagt und mal über seinen Schatten springt, kann einen das als Spieler weiter bringen. Bei mir war das Spielen eines weiblichen Magiers ein Schlüsselerlebnis. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe auf Wunsch des SL mal nicht den Kämpfer gespielt oder meinen „Standart“ Klischee-Frauen  SLC ausgepackt. (weiblich gutaussehen gefährlich-schlampig, halt ein Abziebild)

Ich habe nach den Überlegungen also einen zweiten Punkt, was einen guten Spieler ausmacht:

2.)

Ein guter Spieler traut sich, auch mal etwas Neues auszuprobieren.

 

Bis jetzt hoffe ich noch am Geschmack der verschiedenen Fraktionen im Rollenspiel vorbei gekommen zu sein, aber ab diesem Punkt wird es etwas problematisch, weil persönliche Vorlieben mit ins Spiel kommen. Dennoch versuche ich noch einen Punkt ins Spiel zu bringen, der mir sehr wichtig ist.

3.)

Ein guter Spieler spielt mit seinen Mitspielern und nicht gegen seine Mitspieler.

 

Ja, ich höre sie schon wieder schreien, aber bei uns gilt es als guter Stil, wenn die Spieler gegeneinander spielen und PvP betreiben. Aber die Leute die das schreiben raffen es nicht. (Sorry für den Ausfall)

Wenn es in der Gruppe zum guten Ton gehört, das sich die Spieler gegenseitig berauben, abschlachten oder was auch immer machen was man als gegeneinander bezeichnen kann, dann spielt der Spieler immer noch mit seinen Mitspielern. So wie es der soziale Vertrag oder Gruppenvertrag der jeweiligen Gruppe vorsieht.

Das miteinander Spielen aus Punkt 3 ist also mehr als spielen im Sinne des Gruppenspaßes zu sehen. Wie das im Einzelnen oder bei der jeweiligen Gruppe aussieht ist absolut unterschiedlich. Es sollte aber kein Problem sein, wenn man sich mit den Mitspielern unterhält.

Anschließend komme ich dann mal zum vierten Punkt auf meiner Liste was einen guten Spieler ausmacht, einem Punkt den ich nach seiner Nennung noch mal ein wenig ausführen möchte um ihn besser zu verdeutlichen.

 

4.)

Ein guter Spieler liefert seinen Mitspielern (also auch dem SL) Vorlagen.

 

Es mag nicht jedermanns Geschmack entsprechen oder in die Erzählonklel Ecke gedrückt werden, ich sehe das geben von Vorlagen als für mich ungeheuer wichtigen Punkt an. Einige SL werden jetzt wieder sagen, dass man einfach nur seinen Charakter spielen soll und sich bitte nicht mit Gedanken zum Plot oder den Vorteil für Mitspieler aufhalten soll. Aber ich denke dass jeder Spieler sich Gedanken zu seinem Charakter und dessen Ausrichtung machen kann. Notfalls macht man sich die Gedanken wie man seinen Mitspielen Vorlagen machen kann neben dem Spieltisch, also in der Zeit wo man nicht spielt und richtet sein Charakterkonzept auf die möglichen Vorlagen aus. Dabei muss eine Vorlage nicht einem Kuschelkurs entsprechen. Die Charaktere können sich auch wirklich hassen oder der eine hasst den anderen und der andere weiß es nicht.

Wichtig ist nur, dass alles wissen was los ist und ihre Charaktere so steuern, dass es dem Mitspieler Vorlagen zu guten Szenen und möglichen Spaß liefert. Perfekt lässt sich so twas zwar nie steuern, aber der Grundgedanke sollte trotzdem immer dazu gehen, dass eine Vorlage besser ist als das mutwillige Zerstören von Zielen oder Absichten seiner Mitspieler.

 

Damit bin ich dann am Ende meiner Überlegungen, denn alles was mir noch so zu guten Spieler einfällt ist sehr persönlich auf meine Vorlieben in den jeweiligen Spielstilen und Situationen ausgerichtet und sollte damit in diesem Artikel nicht erwähnt werden.

 

Diskussion hier oder im RSP Blogs Forum, Anregungen gerne gelesen.

11 Gedanken zu “Was ist denn nun ein guter Spieler?

  1. Ich bin ja sonst nicht immer einverstanden mit Ton oder Inhalt von dem, was du hier jeweils schreibst. Aber hier sprichst du mir aus der Seele! Insbesondere, dass du die Selbstkenntnis und Reflektion betonst finde ich wichtig. Und ich habe es auch schon mal in einem Kommentar hier geschrieben: Miteinander offen und ehrlich über Wünsche und Bedürfnisse reden ist fundamental.

    Super Artikel!

    • Der provokante Ton meiner Artikel ist bewusst gewählt um zu polarisieren und vor allem zu unterhalten.

      Es gibt genügend Blogger die hoch eloquenten Kram schreiben, den dann keiner liest. Ich gehöre lieber zu den Leuten die Leben in der Bude haben und Diskussionen anfachen, auch wenn ich nicht im Stile eines Settembrini arbeiten möchte.

      Trotzdem Danke für das Lob!

  2. Schöner Artikel. Ich bin ja eh mehr Fan von sachlichen Tönen als von Geschrei, weil da unterm Strich meist weniger bei raus kommt.

    Ich möchte zu Punkt 4 noch den SL hinzufügen. Ich finde, ein guter Spieler liefert auch dem SL Vorlagen. Man kann auch ohne ne gute Kampagne machen, aber wenn die SC immer wieder persölich involviert sind, wird es den Spielern sicher mehr Spaß machen. Gilt nicht für ausnahmslos jeden Spieler, aber im Allgemeinen schon. Beispiel: Der Hexblade, dem ein Pakt mit guten Mächten vorgegaukelt wurde, aber dahinter steckt in Wahrheit ein Teufel vs. der Zwergenkrieger. Punkt. Da kann man als SL nix draus machen.

  3. Die Sache mit dem Feedback und der Kommunikation kann ich so unterschreiben. Es ist unendlich viel einfacher wenn alle wissen, was sie voneinander, von der SL und von der Runde im allgemeinen erwarten – so werden Enttäuschungen vermieden. Auch Punkt 3 erhält meine volle Zustimmung. Es ist immer hinderlich wenn sich die Spieler gegenseitig an den Karren pissen und man vor lauter Intrigen-Spiel untereinander an dem eigentlichen Plot (den sich der Spielleiter womöglich mühsam über Wochen hinweg ausgedacht hat…) vorbeilaufen. Ärgerlich.

    • Wie gut, das ich keinen mühsamen Plot habe sondern nur meine Timelines und den Rest aus den Taten und Interessen der Spieler ableite.

      • Ich muss gestehen, dass ich da gern mal ne Kampagne bei Dir ausprobieren würde. Weil ich mir bei einer klassischen SL + x SCs Gruppenzusammenstellung nur schwer vorstellen kann, wie eine konsistente Geschichte dabei rauskommt.
        Gerade die Vorbereitung auf SLCs, deren grundlegende Wünsche und Handlungen usw. kostet mich tatsächlich als Vorbereitung durchaus Tage.

        Aber zum eigentlichen BLOG Eintrag:
        Die 4 Punkte finde ich hervorragend getroffen. Ganz grundlegend würde ich noch anfügen, dass ein guter Spieler auch ganz grundlegend über Kommunikationsfähigkeiten verfügt die über den Punkt 1 hinausgehen. Ich hatte schon Spieler, die zwar alle 4 Punkte abdeckten, deren Art und weise allerdings sowas beinhaltete wie, den Anderen immer ins Wort zu fallen, ohne, dass es als normale Spielhandlung nötig oder möglich war und so weiter.

        • Also wenn du der Raffa aus Bremen bist, den ich kenne, dann kannst Du gerne in meiner Reign Kampagne in Hamburg mitspielen.

          Sonst bleibt immer die Möglichkeit, mal ein Wochenende lang eine Minni-Kampagne zu spielen.

          • Ja, der Raffa aus Bremen, den Du kennst, der bin ich 😉

            Hm, das mit Hamburg wäre durchaus ne Überlegung wert. Wie genau spielt ihr denn da wann und wo?

      • Mache ich genau so. Ich habe einen Anfang, ein paar Zwischenkapitel, die die Handlung vorantreiben, aber was dazwischen passiert, wie es endet, das liegt alles in der Hand meiner Spieler

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