Am Spieltisch stört das Digitale

Ich bin kein Freund von Technik am Spieltisch.

Quellcode, Binärcode und Fuzzylogic (Oktober 2016)

Quellcode, Binärcode und Fuzzylogic (Oktober 2016)

Der Karneval der Rollenspielblogs im Oktober 2016 steht unter dem technisch klingenden Titel „Quellcode, Binärcode und Fuzzylogic“. Und man kann ja so viel tolle Dinge mit IT-Unterstützung machen.

Will ich aber nicht.

Ich will nicht, dass du deinen Charakterzettel auf dem Tablet hast.

Ich will nicht, dass du die Musikuntermalung mit dem Laptop steuerst.

Ich will nicht, dass du mit einer App würfelst.

Ich will keinen Shadowrun mit Unterstützung einer Projektsteuerungssoftware (SCNR).

Warum? Weil es ablenkt. Weil du länger brauchst, um dein Tablet aus dem Schlafmodus zu holen, als ich um aufs Papier zu gucken. Weil Musik ohnehin mehr stört als hilft. Weil der Laptop surrt und nervt. Weil er im Weg steht. Weil er dich ablenkt. Weil im Zweifel statt der Soundkulisse der „Du hast Email“-Ton kommt. Weil das Tablett von deiner Freundin/Mama/Kindergartengruppe zugespammt wird und du antworten musst. Weil es sich nicht richtig anfühlt, wenn du keine Würfel dabei hast. Weil ich will, dass du dich hier am Tisch auf das Spiel und die Mitspieler konzentrierst. Das du eben NICHT multitaskst, sondern spielst. Weil ich Flow will, und das geht nur, wenn alle mitmachen, konzentriert sind und fokussiert spielen. Deshalb sind meine Runden, wenn ich sie leite, auch eher kurz. Damit man das durchhält. Aber ein paar Stunden 100% Spiel, 100% Spaß, 100% Fokus – das will ich von euch. Zettel, Würfel, Stift: pur!

Ich verwende allerdings durchaus elektronische Mittel bei der Sitzungsvorbereitung, konkret Ownnote – eine Notizapp für Andorid, die es mir gestattet in meiner eigenen Owncloud-Instanz Notizen abzulegen, das Tanelorn zum Austausch mit anderen Rollenspielern und gelegentlich mal Doodle zur Terminabsprache.

Der Karneval wird von Jaegers.net veranstaltet, Orga wie immer im Forum.

6 Gedanken zu „Am Spieltisch stört das Digitale

  1. Deutliche Worte, aber da ich bin dabei. Zumindest als als/für Spieler. Aber als SL kenne ich an meinem lautlosen Tablet immerhin den Schalter für den Schlaf- oder Flugzeugmodus und dann ist es aus mit Ablenkungen 😉

    Danke für den Beitrag auf der Zielgeraden!

  2. Ich sehe es nicht ganz so orthodox. Technik ist erlaubt, solange sie sich dem Spiel vollständig unterordnet. Ich benutze den Laptop mit der vorbereiteten Playlist für die musikalische Untermalung der wichtigsten Szenen mit genau dafür ausgesuchten Stücken. Aber in der Zeit trenne ich ihn vom WLAN, eben damit nichts anderes aufploppt.
    Bei der Technik meiner Mitspieler handhabe ich es genauso. Ich war einmal etwas skeptisch, als in einer Runde gleich zwei Spieler das Tablet mit Tastatur vor sich auf den Tisch stellten – das war eine Runde, in der offensichtlich sehr fleißig mitgeschrieben wurde. Aber auch diese Spieler haben das Tablet ausschließlich für den Spielzweck genutzt, und so ist es mir nach zehn Minuten nicht mehr aufgefallen.
    Smartphones am Tisch sind allerdings tabu. Die Regel habe ich eingeführt, nachdem ich in einer sehr frustrierenden Runde jedesmal nur ein bläuliches Leuchten auf dem nach unten schauenden Gesicht erblickte, wenn ich Augenkontakt zu einer Spielerin herstellen wollte, um ihre Figur anzuspielen.

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