Wenn man nicht reden kann, dann soll man keine sozial kompetenten Charaktere spielen oder halts Maul du Spacken!

Eine der Flos­keln die mich beim Spie­len immer wie­der auf­regt ist die, der Satz der den Anfang der Über­schrift zu die­sem Bei­trag bil­det. Ich höre ihn immer wie­der und denke mir regel­mä­ßig, was für kom­plette Voll­idio­ten die Sprecher/innen eigent­lich sind.

Ganz im Ernst!

Wenn man ein Spiel spielt in dem man sich nach Regeln einen Cha­rak­ter erschafft, dann muss man nicht sel­ber über die Fer­tig­kei­ten ver­fü­gen, die sein Cha­rak­ter hat.

Oder kann jemand von Euch zau­bern b.z.w 200 KG über den Kopf heben?

Rich­tig, das erste kön­nen die meis­ten nur, wenn sie Luft dazu brin­gen zu stin­ken und das zweite viel­leicht ein paar Gewicht­he­ber, aber kaum ein Rol­len­spie­ler. Also ist der Spruch mit den sozia­len Fer­tig­kei­ten echt für den Arsch, weil eben jeder beim Rol­len­spiel spie­len darf, was den Fer­tig­kei­ten sei­nes Cha­rak­ters ent­spricht. Jeder kann spie­len, was die Werte und Fer­tig­kei­ten sei­nes Cha­rak­ters her­ge­ben und muss nicht im Gerings­ten die per­sön­li­che Qua­li­fi­ka­tion dazu mit­brin­gen.

Wer also ver­langt, dass nur Laute soziale Cha­rak­tere spie­len dür­fen, die sel­ber rhe­to­risch begabt sind, der tritt die Prin­zi­pien des Rol­len­spiels mit den Füßen. Nicht sel­ten kommt als Ergän­zung dafür dann auch noch mein zwei­ter Lieb­lings­satzso etwas kann man auch aus­spie­len.

Klar kann man das aus­spie­len. Es macht mir als SL sogar unglaub­lich viel Spaß, mich in einen direk­ten „In Cha­rak­ter“ Dia­log mit mei­nen Spie­lern zu bege­ben. Ja, es ist sogar eine mei­ner größ­ten Spa­ßquel­len. Aber ich spiele mit mei­nen Mit­spie­lern ein Spiel und da sind die Werte der Cha­rak­tere dafür aus­schlag­ge­bend, wie eine Sache aus­geht und nicht die per­sön­li­che Qua­li­fi­ka­tion des Spie­lers.

Wenn man alles durch rei­nes aus­spie­len regelt haben die rhe­to­risch guten Spie­ler einen unfai­ren Vor­teil oder noch kras­ser gesagt, sie beschei­ßen. Diese Flach­zan­gen bauen sich effek­tive Cha­rak­tere mit denen sie auf allen mög­li­chen Gebie­ten mecha­nisch rocken und regeln den Rest über ihre sprach­li­che Kom­pe­tenz.

Bei aller Liebe zum Aus­spie­len, das ist BESCHISS und zwar von der übels­ten Sorte!

Nicht so schlag­fer­tige Cha­rak­tere müs­sen immer die Mög­lich­keit haben ihren Cha­rak­ter kniff­lige Situa­tio­nen mit einem Fer­tig­keits­wurf schaf­fen zu las­sen, weil sie den Cha­rak­ter nach den glei­chen Regeln bauen wie die sozial stär­ke­ren Spie­ler. Wenn der sozial stär­kere Spie­ler aber ver­langt, dass sein Vor­teil im Spiel greift, dann bestehe ich in Zukunft auch auf Arm­drü­cken und reale Prü­gel­l­ein um den Aus­gang von Kämp­fen zu simu­lie­ren.

Ich sehe schon das Geschrei der Leute, wenn ich zum Tanz bitte, das ist doch unfair, du bist da viel bes­ser als wir, du bist viel stär­ker oder bei einem mir bekann­ten Schwert­kampf­spezi: „Du wählst das Duell und ich die Waf­fen? Ähm ich nehme Zwei­hän­der.“

Mein Bei­spiel mag dem einen oder ande­ren viel­leicht blöd vor­kom­men, aber es ist nun ein­mal so, dass man eine fik­tive Rolle über­nimmt und meine Qua­li­tä­ten im Zuschla­gen sich nicht im Gerings­ten auf das Spiel aus­wir­ken dür­fen. Genau so wenig wie die ret­ho­ri­schen Qua­li­tä­ten ande­rer Spie­ler.

Also ihr Spa­cken da drau­ßen, hal­tet Eure Klappe oder nehmt beim Spie­len mit mir Eure Waf­fen­samm­lung mit, denn dann will es wirk­lich wis­sen immer wis­sen.

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29 Responses to Wenn man nicht reden kann, dann soll man keine sozial kompetenten Charaktere spielen oder halts Maul du Spacken!

  1. Tja, wenn ich jetzt noch wüßte, wo der Unter­schied zwi­schen 200 Kg über den Kopf heben und einen geschei­ten Satz raus­brin­gen kön­nen bzw. nicht nur „Öhm, Ähm” stam­meln ist…
    Hm, viel­leicht ist das Ers­tere in einem sozia­len Spiel nicht gefragt? Das zweite aber Grund­vor­aus­set­zung für den Spiel­spaß aller am Tisch sit­zen­den?

    Nichts dage­gen, stil­lere Spie­ler mit ein­zu­bin­den, aber ein Spie­ler, der jen­seits sei­ner Fähig­kei­ten einen Cha­rak­ter erschafft, den er nie­mals zu sei­ner eige­nen Zufrie­den­heit und zur Zufrie­den­heit sei­ner Mit­spie­ler dar­stel­len kann, geht zu weit. Für ein kom­mu­ni­ka­ti­ves Spiel ist nun­mal die Kom­mu­ni­ka­tion eine Grund­vor­aus­set­zung.
    Wer das nicht kann, sollte nicht die schwie­rigste Vari­ante wäh­len. Das kann nur schief­ge­hen. Selbst mit Super­fer­tig­keits­wür­fen. Man stelle sich nur vor es kommt zur Begeg­nung zwi­schen einem rede­ge­wand­ten Spie­ler mit einem ent­spre­chen­den Cha­rak­ter und einer Nulpe was das angeht mit einem glei­chen Cha­rak­ter. Das ist für alle Betei­lig­ten ziem­lich doof bis pein­lich.

    Halt’s Maul, Indeed.

    • Joerg.D says:

      Es sind so Leute wie Du die mir den Nerv am Rol­len­spiel klauen. Sie sagen Rol­len­spiel ist Kom­mu­ni­ka­tion und schwa­feln etwas von der Qua­li­tät für alle um sich im Spiel Vor­teile zu ver­schaf­fen.
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      Ich kenne einen Hau­fen Spie­ler die sich prima aus­drü­cken kön­nen aber kein Talent für die Schau­spie­le­rei haben und des­halb auf der Meta Ebene blei­ben oder auch mal ganz tro­cken fra­gen was sie wür­feln müs­sen um die Situa­tion zu schaf­fen. Das sind zum Teil Leute, mit denen ich seit Jah­ren erfolg­reich spiele und viel Spaß habe. Das hat bei mei­nen Ansprü­chen an Spie­ler schon eine ganze Menge aus­zu­sa­gen, glaube ich.
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      Kom­mu­ni­ka­tion kann auf vie­len ver­schei­den Ebe­nen ablau­fen und man muss kein Rhe­to­rik Genie sein um eine Idee zu erklä­ren und danach die Wür­fel zu wer­fen. Der Spie­ler eines Die­bes hat mir über 2 Jahre Spiel­zeit nur Zet­tel zuge­steckt oder mit ein­fa­chen Wor­ten geant­wor­tet.
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      Kannst Du einen Typen mit einem Schwert und einen Schlag töten, kannst Du an Wän­den hoch­klet­tern, Geld­bör­sen ent­wen­den, Göt­ter um Wun­der anru­fen (die funk­tio­nie­ren) oder andere Magie wir­ken? Wenn nein, dann darfst Du kein Rol­len­spiel spie­len weil man nach dei­ner Aus­sage ja ein Sprach­ge­nie sein muss um einen sozia­len Cha­rak­ter zu spie­len. Denn das alles sind Sachen die in der Regel jen­seits dei­ner Fer­tig­kei­ten sind. (das mit dem Schwert viel­leicht nicht, aber der Rest?)
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      Der Spiel­spaß aller am Tisch sit­zen­den erfor­dert IMHO das Ein­hal­ten der Regeln und nicht das Bre­chen zum eige­nen Vor­teil. Rol­len­spiel ist Rolle und Spiel beide Begriffe wer­den nicht von rhe­to­ri­schen Fer­tig­kei­ten defi­niert. Ein Spie­ler von mir, der einen Pan­to­mi­men gespielt hat war auch wun­der­bar.
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      Es kommt auf die Ideen zur Rolle an, nicht auf die Spra­che, denn die Ent­schei­dung tref­fen ja die Wür­fel.

      • Hmm, nein, ich kann nicht irgendwo hoch­klet­tern, aber wenn ich mich an einen Tisch setze, um eine Rolle zu spie­len, dann muß ich zumin­dest das kön­nen.
        Es geht nicht darum, das ein­zelne Spie­ler alle ande­ren bevor­mun­den weil sie ret­ho­risch bes­ser sind. Es geht darum, das ich, zumin­dest, es vor­ziehe, wenn ein Spie­ler Spaß an sei­ner Rolle hat – und ich sage: Es gibt in einem inter­ak­ti­ven Spiel eine Grenze, die man nicht über­schrei­ten sollte um sich auf die Wür­fe­lei zurück­zu­zie­hen. Weil das weni­ger Spaß macht. Kom­mu­ni­ka­tion ist Teil des Spiels, und wenn man da Defi­zite hat, sollte man, mMn, nicht die Rolle wäh­len, bei der man in der Kom­mu­ni­ka­tion mit Mit­spie­lern und NSC ganz vorne steht. Genau­so­we­nig wie der Mau­rer für die Kor­re­spon­denz zustän­dig ist, wäh­rend die Sekre­tä­rin Mau­ern hoch­zieht.
        Ich bin der Mei­nung das alle Betei­lig­ten dar­un­ter lei­den, wenn der „Mund­faule” den Spre­cher macht. Wür­fel­wurf hin oder her.
        Das heißt ja nicht, das Spie­ler (wohl­ge­merkt) nicht ver­su­chen soll­ten, ihre Fähig­kei­ten zu ver­bes­sern. Aber ich denke, bevor man nicht zumin­dest ein biß­chen Mut und Chuzpe hat, die Rolle auch aus­zu­fül­len, hat man sel­ber auch kei­nen Spaß daran. YMMV.

        • Joerg.D says:

          Bist Du der Mei­nung das man Leute die zu schlecht sind um mit der Gruppe zu spie­len über­haupt in diese ein­la­den sollte?
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          Nein!
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          Aber wenn man sol­che Spie­ler in der Gruppe hat, dann muss man sich um ihre Bedürf­nisse im Rol­len­spiel küm­mern. Alex­an­dro und der Dolge haben da schon gute Punkte zu gebracht.
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          Rol­len­spiel ist nun ein­mal mehr als nur Rolle und Dar­stel­lung. Man muss den Spie­lern die da sind die Mög­lich­keit geben sich zu ent­fal­ten. Da gehört dann auch zu, dass der schlechte Schau­spie­ler den Bar­den spielt und das Ganze auf der Meta Ebene oder mit Hilfe sei­ner Mit­spie­ler regelt.

          • Ja, ohne jeden Zwei­fel. Aber genauso wie man sich um ihre Bedürf­nisse im Rol­len­spiel küm­mern muß, müs­sen ers­tens sie sich selbst um IHRE Bedürf­nisse küm­mern und eben auch ihre Mög­lich­kei­ten eni­ger­ma­ßen selbst­kri­tisch ein­schät­zen, wie auch zwei­tens sie sich selbst um die Bedürf­nisse der Gruppe (nicht der Cha­rak­tere, son­dern der Spie­ler am Tisch) sor­gen soll­ten – sonst hat man das glei­che wie die „Ram­pen­sau”, nur in grün.

        • Dolge says:

          Ich finde in der Umkehr die Ram­pen­sau, die sich vor­drän­gelt und dann auch noch stän­dig ent­spre­chende Cha­rak­tere spielt, unan­ge­nehm, weil sie dazu neigt, ver­dammt viel Spot­light auf­zu­fres­sen. Eine gesunde Besin­nung auf die Meta­ebene hätte so man­chem Selbst­dar­stel­ler sicher gut getan. 

          Spie­ler, bei denen ich das „soziale Spiel” so grau­en­haft schlecht und gehemmt fand, dass ich einen Nach­teil für die Grupp gese­hen hätte, habe ich noch nie erlebt. Ich halte das sogar für eine Aus­rede eben die­ser Ram­pen­säue, damit ihnen nie­mand den Platz am Licht strei­tig macht. Rol­len­spiel bedeu­tet auch, sich den Her­aus­for­de­run­gen einer Rolle zu stel­len – auch auf die Gefahr hin, dass man schei­tert und eben nicht den glän­zen­den Reden­schwin­ger ablie­fert, son­dern doch einen stil­len Diplo­ma­ten.

  2. alexandro says:

    Kommt auf den Spiel­stil an.

    Es gibt auch durch­aus Spiele, bei denen ich nicht durch die Wür­fel vor­ge­schrie­ben wird, ob der Cha­rak­ter lebt oder stirbt. Ent­wer­tet das die Kampf­fä­hig­kei­ten? Sicher­lich ein wenig, aber solange nie­mand am Tisch ein Pro­blem damit hat ist es schad­los.

    Genauso gibt es Spie­ler, die lie­ber ihre sozia­len Kom­pe­ten­zen am Tisch aus­spie­len (oder ihre eige­nen Kom­bi­na­ti­ons­ver­mö­gen auf die Lösung eines Kri­mis ver­wen­den), statt sich ganz auf die Regel­ba­sis zurück­zu­zie­hen. Einen Wür­fel­wurf zu schaf­fen ist nun­mal ein­fach nicht ein so star­kes Erfolgs­er­leb­nis, wie die Situa­tion durch einen cle­ve­ren Ein­fall zu ret­ten oder den gan­zen Tisch mit einer sozia­len Ein­lage zu unter­hal­ten.

    Das Pro­blem tritt dann auf, wenn diese Erfolgs­er­leb­nisse (die für sich genom­men bereits Moti­va­tion genug sind) zu allei­ni­gen Erfolgs­kri­te­rien auf­ge­bla­sen wer­den, so dass alle Spiel­bei­träge die nicht die­sen (impli­zi­ten) Qua­li­täts­kri­te­rien unter­wor­fen wer­den prin­zi­pi­ell abge­lehnt wer­den.

    • Joerg.D says:

      Ich habe nichts dage­gen, wenn die Leute Spaß am Aus­spie­len haben, aber sie sol­len den ande­ren Spie­lern auch ihren Spaß gön­nen.
      .
      Mir platzt die Schnur wenn einer mei­nen Mit­spie­lern vor­schrei­ben will, wie sie oder was sie zu spie­len haben. Genau so ist es mit der Kom­bi­na­ti­ons­gabe oder dem Ide­en­reich­tum bei Dun­ge­ons.
      .
      Doch die Regeln müs­sen immer für alle gleich gel­ten und nicht ange­passt wer­den um rhe­to­risch star­ken Spie­lern einen Vor­teil zu ver­schaf­fen.

    • Teylen says:

      Es ist aber doch auch kein Erfolgs­er­leb­nis wenn ein Cha­rak­ter, der eigent­lich als sozial ueber aus kom­pe­tent ange­legt wird, Inplay von Cha­rak­te­ren ueber­holt / gla­siert wird die eigent­lich sozial eher inkom­pe­tent sind.

      Ebenso, wieso darf sich ein Spie­ler der einen sozial kom­pe­ten­ten Cha­rak­ter will, auf die eige­nen OT Fae­hig­kei­ten zuru­eck zu zie­hen?
      Schliess­lich spart er sich doch dadurch schlicht­weg die Punkte und kann sie andere Wer­ten inves­tie­ren
      – Wo er dann zu sei­ner sozia­len Chea­te­rei Erfolgs­er­leb­nisse als Sah­ne­ha­eub­schen auch noch die regel­tech­ni­schen Erfolgs­er­leb­nisse kriegt.

      Wohin­ge­gen der arme Tor der sich einen Sozial-Cha­rak­ter baute weder die Erfolge im sozia­len Feld kriegt [weil er da durch OT Fae­hig­kei­ten ande­rer ueber­gan­gen wird] noch die Erfolge bei nor­ma­len Wuer­fel Sachen [weil er dafuer keine Punkte mehr hat – die lie­gen ja im sozia­len].

  3. flippah says:

    Ich denke, dass du eigent­lich völ­lig recht hast. Natür­lich ist es immer gut, wenn man das, was der Cha­rak­ter kann, auch dar­stel­len kann. Sprich: der sozial kom­pe­tente Cha­rak­ter wird von einem Spie­ler gespielt, der labern kann. Der tak­tisch geschulte Kämp­fer von einem Spie­ler, der zumin­dest Grund­kennt­nisse in Kampf­tak­tik besitzt usw.

    Was aber gar­nicht geht ist, das vor­zu­schrei­ben. Da bin ich ganz und gar auf dei­ner Seite. Und es zu ermu­ti­gen, auch mal Cha­rak­tere zu spie­len, die einem nicht „lie­gen”, kann auch hel­fen, das zu üben und letzt­lich zu gro­ßen rol­len­spie­le­ri­schen Sze­nen füh­ren, in denen man wirk­lich Dinge erlebt, die einem sonst nicht gesche­hen.

    Ich selbst hand­habe es immer so: Die Leute dür­fen natür­lich aus­spie­len. Und das Aus­spie­len gibt ihnen ggf. auch einen klei­nen Bonus auf den Wurf. Aber der Wurf ent­schei­det.

    • Joerg.D says:

      Das ist eine gute Hand­ha­bung, wenn die Gruppe damit ein­ver­stan­den ist. Aber ich hoffe, dass du dem Spie­leer mit der guten Idee auf der Meta Ebene auch so beglückst.

  4. Kheshua says:

    Grund­sätz­lich finde ich den Bei­trag rich­tig, wenn es – wie alex­an­dro sagt – zum Spiel passt. Wenn in einer Runde alle Spie­ler bis auf Einen ihr Spiel durch Schau­spie­le­rei auf­wer­ten, die­ser eine Spie­ler aber prin­zi­pi­ell nur ein­sil­bige Ant­wor­ten gibt und alles durch Wür­fel ent­schei­den lässt, glaube ich, dass das ein Ungleich­ge­wicht erzeugt, was dann kei­nen Spaß mehr macht.
    Ich habe schon so einige Men­schen erlebt, die über­haupt keine Eigen­in­itia­tive zei­gen und wenns hoch­kommt mal selbst drauf kom­men, dass sie mal wür­feln könn­ten. Sol­che Men­schen soll­ten viel­leicht ein­fach nicht den Anspruch haben, das Über­face zu spie­len, irgend­wie. Wenn aller­dings alle in der Runde damit kon­form gehen oder das Glei­che machen, warum nich?

  5. Dolge says:

    Zustim­mung. Wie­der mal. Wie immer. 😉

    Das ist der Grund, warum ich mich bemühe, auch in „sozia­len Duel­len” erst wür­feln zu las­sen und dann den Spie­lern Gele­gen­heit gebe, eine ent­spre­chende Antwort/Aussage zu for­mu­lie­ren. Der gute Schau­spie­ler wird damit sogar gefor­dert und darf glän­zen, wenn sein Cha­rak­ter eigent­lich einen Miss­er­folg hat: Er muss die­sen näm­lich schau­spie­le­risch geschickt umset­zen und glaub­haft ver­sa­gen! Das ist mir in Spie­len mit Gum­mi­punk­ten durch­aus mal Fan­mail wert! Der eher schlechte Schauspieler/stille Spie­ler ver­liert aber nichts bzw. ris­kiert damit nicht, dass er her­um­stam­melt und dann einen super Wurf macht, der ange­sichts sei­nes Gefa­sels (sorry, das soll bei wei­tem nicht so abwer­tend sein, wie es klingt) total lächer­lich ist – wenn er sich dem, was er dar­stel­len soll, nicht gewach­sen fühlt, kann er auf eine Meta­ebene aus­wei­chen oder even­tu­ell einem Mit­spie­ler oder dem SL die Aus­for­mu­lie­rung über­las­sen.

    • Joerg.D says:

      Dolge, du bist auch ab und an mal ande­rer Mei­nung als ich..

      Ich möchte den Gedan­ken mit der Dar­stel­lung noch ein­mal auf­grei­fen. Also den, das der gute Schau­spie­ler den Miss­er­folg ja gerne dar­stel­len kann. 

      Das ist eine gute Vari­ante um den Spie­lern Miss­er­folge zu ver­sü­ßen. Du hast ver­loh­ren, oder es ver­bockt, aber dafür bekommst Du als Trost­pflas­ter ein biss­chen Spot­light (das wäre eigent­li­che einen eige­nen Blog­ein­trag wert).

      Der Wech­sel auf die Meta-Ebene darf ein­fach nicht ver­pönt sein und auf die­ser kön­nen auch rhe­to­risch nicht so begabte Spie­ler gute Ideen für ihren Cha­rak­ter vor­stel­len. Mit dem Wurf sel­ber als Zusatz wird das Ganze dann wirk­lich schön.

      Zusätz­lich möchte ich deine Ant­wort noch ein­mal mit dem Kom­men­tar von Alex­an­dro ver­bin­den, der sagt die Spie­ler soll­ten sich lie­ber um ihr eige­nes Spiel küm­mern. Mir ist beim Reflek­tie­ren mei­ner Run­den auf­ge­fal­len, dass bestimmte Spie­ler ihren Mit­spie­lern immer wie­der unter die Arme grei­fen. Sei es nun Ingame oder auf der Meta Ebene. Das sollte man eigent­lich durch mehr als Bonis und Fan­mail för­dern.…

      Gute Mecha­nik für ein Spiel oder?

      • Dolge says:

        Du meinst, Koope­ra­ti­vi­tät sollte mit Gum­mi­punk­ten belohnt wer­den? Ja, das klingt ver­nünf­tig, wobei die meis­ten Spiele der­ar­tige Sachen schon von Haus aus beloh­nen, indem sie Syn­er­gie­ef­fekte zwi­schen Cha­rak­te­ren schaf­fen. Oder meinst du, dass man Koope­ra­ti­vi­tät der Spie­ler unter­ein­an­der beloh­nen sollte? Dafür bräuchte ich glaube ich ein erläu­tern­des Bei­spiel, weil ich da irgend­wie keine pas­sende Situa­tion vor Augen habe.

        • Joerg.D says:

          Mir schwebt etwas abseits von Gum­mi­punk­ten und Syn­er­gie­ef­fek­ten vor.
          .
          Eine Mög­lich­keit die sozia­les Spiel belohnt könn­ten Plot­punkte oder Spot­light Epi­so­den sein, also etwas da genau wie die Hilfe auf der Meta Ebene auf der Sel­bi­gen belohnt.

  6. Dem kann ich nur teil­weise zustim­men. Sicher ist es rich­tig, dass man den Leu­ten nicht vor­schrei­ben sollte, wie oder was sie zu spie­len haben, aber zwi­schen „kannst du als Spie­ler eines Kämp­fer­cha­rak­ters wirk­lich einen Zwei­hän­der bedie­nen?” und „kannst du als Spie­ler eines Sozi­al­cha­rak­ters dich wirk­lich ver­nünf­tig aus­drü­cken und hast eine gewisse rhe­to­ri­sche Initia­tive?” besteht ein fun­da­men­ta­ler Unter­schied: wäh­rend ers­te­res nicht nötig (und wohl auch nicht erwünscht) ist, am Tisch als Spie­ler dar­zu­stel­len, ist letz­te­res für jeden eine abso­lute Not­wen­dig­keit. Die Cha­rak­tere inter­agie­ren, die Spie­ler inter­agie­ren, und das den größ­ten Teil der Zeit mit Wor­ten. Wer sich das auf die Fahne sei­nes Cha­rak­ters schreibt, sollte auch ein wenig eigene Kom­pe­tenz darin vor­wei­sen kön­nen – denn genauso runzle ich die Stirn, wenn der Spie­ler eines Rit­ters in Platte und mit Mor­gen­stern im Kampf Pirou­et­ten und Salti sei­nes Cha­rak­ters beschreibt, offen­bar also auch von dem, was er dar­stel­len soll/will, keine Ahnung hat.
    Eine Lösung für das Pro­blem ist in ers­ter Linie ein ver­nünf­ti­ges Sys­tem für Soziale Kon­flikte in Regeln. Was das nicht lösen kann, ist aber, wenn die ganze Gruppe mehr Spaß an wirk­li­chen Wort­ge­fech­ten hätte – aber es kann schon mal gut hel­fen. Letzt­lich ist das aber immer eine Sache der Grup­pen­ab­spra­che – mit „lade halt nur Spie­ler ein, die gut genug für deine Runde sind!” machst du es dir mei­ner Ansicht nach wirk­lich zu ein­fach, denn dann taucht das ganze Pro­blem gar nicht auf.

    • Captain says:

      Mit „Ich lade mir nur pas­sende Spie­ler in meine Runde ein” macht man es sich zu ein­fach? Ich glaube, genau anders rum wird ein Schuh draus. Viel zu wenige Rol­len­spie­ler machen sich Gedan­ken darum, wel­che Spie­ler jetzt zum Stil einer bestimm­ten Runde pas­sen und wel­che nicht. Geschmä­cker sind doch ver­schie­den und dem nicht Rech­nung zu tra­gen sorgt min­des­tens dafür, daß man bestän­dig Klötze am Bein mit rum­schleppt und im schlimms­ten Fall dafür, daß Ärger und Stress vor­pro­gram­miert sind.

      Und zu dem Ver­gleich mit den Piru­et­ten: den meis­ten Rol­len­spie­lern reicht es, wenn der Krie­ger­spie­ler eini­ger­ma­ßen beschrei­ben kann was er zu tun beab­sich­tigt (wobei sich das in ver­dammt vie­len Fäl­len auf wenig mehr als „ich schlag auf den dort ein” beschränkt). Aber ein Spie­ler eines rede­ge­wand­ten Cha­rak­ters darf nicht abs­trakt beschrei­ben daß er „die Dame da drü­ben aus­fragt und dabei Charme spie­len läßt um sie auf­ge­schlos­se­ner zu machen”?
      Ich seh da defi­ni­tiv kei­nen „fun­da­men­ta­len Unter­schied”. Das klingt mir eher wie ein typi­scher Fall von „man­che sind eben glei­cher als andere”.

  7. Praesi says:

    Ist ja schön, wenn es sol­che Spe­zia­lis­ten­run­den gibt, in denen jeder das, was er kann auch im RL so rich­tig gut beherrscht. Was ich mir aber auch nur dann rich­tig ‚toll’ vor­stelle, wenn zumin­dest der SL ebenso ordent­lich Ahnung von ALLEN Gebie­ten hat, um das beur­tei­len zu kön­nen, und am bes­ten die Mit­spie­ler auch – schließ­lich soll­ten die ja die Fähig­kei­ten wür­di­gen kön­nen.
    Fände ich echt toll – gibts aber glaube ich nicht!
    Ich bin da auf jeden Fall bei Jörg, und möchte mich ggf. auch auf die Mecha­nik oder die Meta-Ebene zurück­zie­hen kön­nen. Ich WILL doch gerade auch gerne einen Cha­rak­ter spie­len, der etwas kann was ich nicht kann. Einen tol­len Schwert­kämp­fer, einen her­aus­ra­gen­den Dieb, eine Kory­phäe auf dem Gebiet der ele­men­ta­ren Meta­ma­gie und der­glei­chen. Das ist doch gerade der Witz am P&P und dafür gibt es Regeln und Mecha­ni­ken, um das umset­zen zu kön­nen.
    Natür­lich ist es toll, wenn ein rhe­to­risch geschul­ter Spie­ler einen ent­spre­chen­den Cha­rak­ter dar­stellt und mal rich­tig die Bühne rockt. Das ist aber kein Kri­te­rium für gutes Spiel und erst recht keine Vor­aus­set­zung!

    • Jochen says:

      Mir per­söhn­lich macht es mehr Spass wenn etwas mehr Krea­ti­vi­tät im Spiel ver­wen­det wird, als nur tum­bes Wür­feln.
      Was nicht bedeu­tet das alles in ewi­gen mono­lo­gen Enden muss. Aber ein Kampf in dem die Spie­ler beschrei­ben was ihre Chars tun, wohin sie schla­gen, finde ich ein­fach dyna­mi­scher, genauso finde ich es bes­ser wenn Gesprä­che aus­ge­spielt wer­den.
      Zuviel Wür­feln erstickt manch­mal das ganze Spiel.
      Was die Wahl der Cha­rak­tere angeht soll jeder Spie­len was er möchte. Als Spiel­lei­ter ver­su­che ich auf weni­ger aktive Spie­ler ein­zu­ge­hen und sie zu ermun­tern mehr Emo­tion ein­zu­brin­gen. Was das Regel­tech­ni­sche angeht, ein Cha­rak­ter des­sen Werte im sozia­len Bereich schlecht sind, kann auch mit gutem Schau­spiel nicht Punk­ten. Genau­so­we­nig wie ein Krie­ger mit null magi­schen Hin­ter­grund­wis­sen, magi­sche Schutz­kreise und der­glei­chen erken­nen kann. Das wäre schlech­tes Rol­len­spiel und wird auch nicht belohnt. Das Pro­blem stellt sich bei uns in der Gruppe zumin­dest bis­her nicht.

      Grüße

  8. Joerg.D says:

    Es sprucht über­haupt nichts dage­gen, wenn man alles aus­spielt und schön beschreibt. Mir macht das sicher auch wie der Mehr­zahl der Spie­ler ein­fach mehr Spaß.
    .
    Den­noch halte ich an der Über­zeu­gung fest, dass jeder am Tisch immer alles spie­len dür­fen muss und der Rest der Gruppe Rück­sicht auf schwä­chere Spie­ler neh­men soll.
    .
    Regeln sind der große Gleich­ma­cher und sie gehö­ren ange­wen­det um nie­man­den der im rea­len Leben bevor­zugt ist auch im Spiel einen Vor­teil zu ver­schaf­fen.

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  10. Wormys_Queue says:

    Ich sehe das noch aus einem ande­ren Blick­win­kel: Wenn man bei­spiels­weise bei D&D 3.5 sieht, was man alles mit dem Talent Diplo­ma­tie so anstel­len kann, dann muss man ein­fach mal kon­sta­tie­ren, dass es kei­nen ein­zi­gen leben­den Men­schen gibt, der das ernst­haft glaub­wür­dig aus­spie­len kann. Aus­spie­len macht ein­fach nen Rie­sen­spass, geht aber bei der über­gro­ßen Mehr­heit der Rol­len­spie­ler vom schau­spie­le­ri­schen Aspekt her kaum über Schmie­ren­ko­mö­die hin­aus (man ver­zeihe das harte Wort, aber die bei­den D&D-Spieler mit dem größ­ten schau­spie­le­ri­schen Talent welt­weit sind Vin­nie Die­sel und Wil Whea­ton, und das sagt alles). Das ist nicht grund­sätz­lich schlimm, sich ein wenig zum Affen zu machen gehört beim Rol­len­spiel ein­fach dazu, aber wenn man ehr­lich ist, kann das manch­mal die Glaub­wür­dig­keit aus­ge­spiel­ter Sze­nen extrem über­deh­nen, ist also auch nicht unbe­dingt bes­ser, als wenn ein Spie­ler, ein­fach sagt, was er sei­nen Cha­rak­ter ver­su­chen las­sen möchte und dann die ent­spre­chen­den Würfe aus­führt.

    Ich mags zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch nicht beson­ders, wenn jemand kom­plett aufs Aus­spiel oder wenigs­tens die Beschrei­bung sei­ner Aktion ver­zich­tet und ein­fach nur sei­nen Wurf ankün­digt. Aber ich werde sich nie­man­dem ver­bie­ten, einen Cha­rak­ter zu spie­len, der rhe­to­risch begab­ter ist als der Spie­ler selbst. Oder intel­li­gen­ter. Oder stär­ker. Es macht doch gerade den Spass am Rol­len­spiel aus, auch mal in Rol­len schlüp­fen zu dür­fen, die wenig mit dem eige­nen Ich zu tun haben.

    Und wenns beim Kämp­fer reicht, dass der seine Aktio­nen beschreibt, reicht das auch beim Diplo­ma­ten.

    • Jochen says:

      Gegen die freie Wahl der Cha­rak­tere spricht über­haupt nichts, ein­zige Ein­schrän­kung wären nicht pas­sende Klas­sen im Bezug auf den Aben­teuer Hin­ter­grund. Solange die Gruppe im zusam­men­spiel passt ist doch alles bes­tens. Ein bischen Mühe beim spie­len erwarte ich aber von Mit­spie­lern. Und es freut auch den Meis­ter, wenn er nicht allein Unter­hal­ter ist. Schliess­lich ist unser Hobby nicht Table­top. Aus­ser­dem nervt mich der hohe Glück­fak­tor (Oder Pech Fak­tor ;)) beim Wür­feln.

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