Rezension: Das Land Og

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Das Land Og

Unter den Sachen, die ich von der RPC mitgebracht habe, war u.a. das Rollenspiel „Das Land Og“, um das es hier gehen soll.

„Og“ ist ein Klassiker aus dem Jahre 1995, ursprünglich bei Wingnut Games erschienen. Das Alter merkt man dem Regelwerk auch an – für den Zweck ist es eigentlich viel zu kompliziert, denn Og funktioniert eigentlich am besten als sehr simples „Partyspiel“. Der Witz ist nämlich, dass die Charaktere auf sehr sehr wenige Worte beschränkt werden. Es ist ziemlich lustig, einen Charakter zu spielen, der nur das Wort „Dings“ beherrscht. Oder nur „Du“. Selbst wenn man als höchst erfahrener und sehr schlauer Höhlenmensch vier oder gar sechs Wörter kann – es ist immer noch viel Körpereinsatz und nonverbale Kommunikation nötig, um irgend eine Idee zu kommunizieren – selbst so wichtige Sätze wie „Mich verfolgt ein T-Rex, lauft alle weg!“ sind, wenn nur die Worte „Ich“ und „Stinkig“ zur Verfügung stehen, nicht einfach zu kommunizieren. Das führt zu brüllend komischen Szenen und einem sehr lustigen Spiel – komplizierte Regeln braucht man dafür aber nur wirklich nicht.

Zum Glück enthält die Fassung von Ulisses noch optionale Regeln (ogtional genannt, höhö), die das Regelwerk auf ein höchst spielbares Minimum herunterbrechen. Mechanisch bleiben dann im Wesentlichen Attributsproben (w6 Pools), Würfe auf „Chance, vergessen zu haben wie das geht“ (w100) und das Wirken von Wundern durch Grunzen, (auch w100). Das reicht für das Spiel völlig. Zu dem Bonuscontent, der wohl zumindest teilweise Strechgoal der Crowdfinanzierung war, gehören ein paar Abenteuerideen und eine zusätzliche Charakterklasse. Auch ziemlich überflüssige Regeln zu Tiergefährten sind hier zu finden, eine Brettspielregelvariante und Regeln zum Larpen.

Das Cover ist sehr nett in einer Holzmaserung gemacht, die Bilder angemessen und die Texte, naja, sagen wir es mal so, vom Humor des Übersetzers, des allseits für seine freundliche Art geschätzten Moritz „Glgnfz„, geprägt. Sogar ich, als vollständig humorbefreiter Storygamer, musste an einigen Stellen durchaus schmunzeln, fand es aber sonst doch etwas bemüht. Ich ganz persönlich hätte mir das Buch deutlich kürzer gewünscht – wenn man ganz ehrlich ist, braucht man eigentlich nur die Tabelle mit den zur Verfügung stehenden Wörtern, um erfolgreich spielen zu können. So muss man die Regeln lesen, um zu verstehen, was man im Rahmen der ogtionalen Regeln (höhöhö?) weglassen soll. Klar, bei einer Übersetzung hat man dieses Freiheiten nicht, insofern sind die ogtionalen Regeln (höhöhöhö) eine sinnvolle Lösung.

Insgesamt ist das ganze aber stimmungsvoll geworden und am Spieltisch ein großer Spaß, der hervorragend mit Bierkonsum kompatibel ist. Insgesamt besonders gut für jene Leute geeignet, die ausführliche Patzerregeln mögen… und zwar auch und gerade dann, wenn sie Opfer dieser Regeln sind.

Sechs aus fünf Brontosauriersteaks, die man für die aufgerufenen 19,99 Euro nicht mal käuflich erwerben könnte.

3 Gedanken zu „Rezension: Das Land Og

  1. Der Kickstart war auch super. Pünktlich, hat sich gelohnt (Backer bekamen für 20 Euro neben dem GRW noch reichlich Material) und immer gut informiert.

  2. Ich wette eine Trilliarde Euro, dass die gewollten Witze nicht von mir sind – von mir sind nur die 2-3 wirklich coolen…

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