Monsterhearts Rezi

Ich habe zu Weihnachten von meiner Freundin das Rollenspiel „Monsterhearts“ geschenkt bekommen – Zeit, hier eine kleine Rezi zu veröffentlichen:

 Monsterhearts ist großartig!

Okay, das ging jetzt vermutlich ein bisschen zu schnell für eine Rezension, oder? Ich gebe euch daher dazu noch ein paar Details. Monsterhearts ist ein Rollenspiel, bei dem es um Sexualität geht. Es ist damit offiziell kein „einfaches“ Rollenspiel, sondern vielleicht etwas für den „reiferen Spieler“.

Hintergrund ist ein High­School Setting nach Art von Buffy, bei der die Protagonisten in der Regel Monster sind. Vampire, Werwölfe, Geister, etc. Aber warum spielt man Monster, wenn es doch um Sexualität geht? Weil Sexualität hier nicht für Pornografie oder Romantik steht, sondern für den Umgang von Teenagern mit ihren Hormonen, mit denen sie in der Pubertät erstmals konfrontiert werden. Und wie alle Eltern bezeugen können, werden in dieser Zeit aus ihren süßen Kindern eben Monster.

Zudem werden sich die Teenager auch sich selbst fremd, wenn die Hormone in ihnen neue, gewaltige Bedürfnisse, aber auch Fähigkeiten wecken. Die Monster dienen dazu, diese Bedürfnisse und Fähigkeiten übersteigert darzustellen ­ ob nun die Adjektive „gewalttätig“, „verführerisch“, „schön“, „stark“ oder „rätselhaft“ lauten, jedes beschreibt einen Aspekt der Sexualität und kann einem Monster zugeordnet werden.

Ein anderer wichtiger Aspekt dieser Zeit (und damit auch des Spiels) ist die Einordnung in die Gruppe. Gehört man „dazu“? Oder ist man ein Looser? Verbringt man die große Pause im Müllcontainer der Schule oder darf man mit den coolen Leuten auf der Schultoilette rauchen?

Das Spiel hat dafür fantastische Mechanismen, um genau diese Themen nicht nur zu adressieren, sondern zu relevanten Schwerpunkten des Spiels zu machen. Dies erreicht es über zwei Methoden:

Die eine ist eine „soziale Währung“, Strings genannt. Sie verkörpert auf sehr abstrakter Ebene die Macht, die man über eine andere Figur hat. Ein Geheimnis zu kennen, jemand in einer demütigenden Situation gesehen zu haben, unbedachtes Bettgeflüster. Mit Hilfe der Strings kann ich das Verhalten anderer beeinflussen, entweder indem ich Ihnen ein Geschäft anbiete, oder in dem ich Würfelwürfe damit beeinflusse.

Die andere Methode sind die Moves, die das Spiel auszeichnen, insbesondere die Sexmoves. Abhängig davon, ob man nun einen Geist oder einen Werwolf spielt, hat man sehr unterschiedliche Moves, und auch die Sexmoves unterscheiden sich. Aber alle Moves – sowohl die, die einer Charakterklasse zugeordnet sind als auch die, die jedem zur Verfügung stehen – adressieren Konflikte. Es geht hier nicht um Fallensuchen oder Schlösseröffnen, Stärkeproben oder Angriffsmodifikatoren, sondern um emotionale und manchmal körperliche Bedürfnisse und um ebenfalls emotionale und manchmal körperliche Gewalt.

Das Spiel kann sich darum drehen, wie man mit einem begehrenswerten Vampir verfährt – oder wer mit wem zum Abschlussball geht. Da werden Lehrer für eine gute Note verführt und dunkle Mächte damit befriedigt, eine unschuldige Seele zu einem Mord zu verführen.

Ich war (für mich ziemlich ungewohnt) ziemlich nervös vor dem Spiel. Ich kannte meine drei weiblichen Spieler noch nicht besonders gut (die beiden männlichen Spieler hingegen, darunter JollyOrc, würden auf jeden Fall rocken). Ich hatte Angst, dass das Spiel peinlich werden könnte, Traumata aufreißt oder ich hinterher als sexistischer Verbalvoyeur darstehen würde. Aber meine Spieler (und Spielerinnen) haben zu dem Spiel gefunden wie die Enten zum Wasser – ganz großes Kino. Die SL-Moves des Spiels sind eine tolle Anleitung zum Spielleiten und haben immer Öl ins Feuer gegossen, die Gruppe ist dahin gegangen, wo es wehtat und wollte ganz offensichtlich die Sexmoves ausprobieren. Das Spiel hat gerockt, und daher gibt es von mir eine ganz klare Kaufempfehlung.

2 Gedanken zu „Monsterhearts Rezi

  1. Sehr schön geschrieben. Das ist ausgerechnet
    das eine „World“ RPG, welches mich nicht
    interessiert.
    Sollte ich meine Meinung ändern?

    • Schwer zu sagen. Wenn es dich t thematisch nicht interessiert, ist es vermutlich nichts für dich. Es kann ja nur das eine Thema. Das dafür sehr gut!

Kommentare sind geschlossen.