Die Abenteuerverweigerin

Wo wir gerade bei exotischen Spielertypen sind (den Taschenlampenfallenlasser hatten wir ja gerade), kommt heute die Abenteuerverweigerin. Wieder eine Con-Begegnung der besonderen Art – aber viel netter und viel freundlicher als der Taschenlampenfallenlasser.

Sie spielte in einer meiner Dresden Files Runden mit. In diesen Rollenspiel sind die Spielercharaktere sehr kompetent, und wenn sie mal schlecht würfeln oder sonst an einer Aufgabe zu scheitern drohen, können Sie dem Glück sogar mittels (der knappen Resource) FATE-Punkte noch nachhelfen. Andererseits müssen sie auch ordentlich leiden, um an diese FATE-Punkte heranzukommen. Das Spiel wird also recht dramatisch, mit ordentlichen Prügelszenen und einem oft hohen Soap-Anteil. Spielen kann man Vampire, Werwölfe, Zauberer, Monster und andere Arschtreter – es ist also immer was los.

Unsere Abenteuerverweigerin wollte nun aber unbedingt ein Werkätzchen spielen. Ja, einen Menschen, der sich in eine besonders niedliche Hauskatze verwandeln kann. Keinen Wer-Puma oder Wer-Löwen, sondern einen Wer-Mäusefänger. ‘Okay’, dachte ich mir, ‘mal ein orginelles Charakterkonzept, lass uns loslegen’.

In dem Abenteuer, in dem es darum ging, dass kämpfende Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg durch die Zeit gerissen wurden, Neonaziumtriebe zu verhindern waren und das Böse unter Berlin in Aufruhr war, erlebte diese Spielerin: “Auf den Schoß einer Mitspielerin klettern”, “Auf besagtem Schoß sitzen und schnurren”,  “Auf einen Baum klettern” und einmal, auf Druck der Gruppe “Vorausscouten”. Und das, obwohl ich extra ein Gebäude so angelegt hatte, dass sie darin würde glänzen können, einen verfallenen Plattenbau voller Nazis, wo sie durch die zerbrochenen Scheiben hätte leicht eindringen können und schleichen sich wirklich aufdrängte. Sie bliebt zudem gefühlte 99% der Spielzeit in der Katzenform und verzichtete somit auf jede Form der Kommunikation mit den anderen Spielern am Tisch.

Nach dem Spiel (wider erwarten überhaupt nicht schüchtern) sprach sie mich später an, erzählte wie gut ihr das Spiel gefallen habe und fragte, ob ich eine regelmäßige Runde anbieten würde. Um auch gleich alle anderen Klischees aus der Welt zu räumen – sie war weder dick noch häßlich, ganz im Gegenteil. Ich hab sie nicht angerufen, weil ich denke, dass sie nicht gut zu meinem Leitstil passt. Weil ich nicht verstehe, was ihr soviel Spaß an der Runde gemacht hat.

Nachtrag: Ein anderer Spieler aus der Runde erinnert sich noch an folgendes:

Es gab noch eine andere Situation, in der sie plötzlich handelte. Nachdem wir den Gegner besiegt hatten – die Spieler packten schon, der SL erklärte, wie sich unsere Handlungen auswirken würden. Die Werkatze sprang auf und erklärte, wie sie sich in ihre menschliche Gestalt verwandeln würde, hüllte sich in ein Bettlaken und nahm die Hand des alten Mannes. Dazu sagte sie in etwa: “Ich bin ein Engel, gekommen um dich auf die andere Seite zu führen” und schaltete die Herz-Lungen-Maschine aus. Auf die Einwürfe der anderen Spieler und des SL reagierte sie nicht.

Ich bin sehr gespannt, ob ihr mir helfen könnt, die Spielerin zu verstehen. Ich freue mich auf eure Hinweise in den Kommentaren oder im Forum.

 

32 Gedanken zu „Die Abenteuerverweigerin

  1. Warum spielt diese Spielerin dann überhaupt? Geht es ihr ums reine dabeisein? Ich würde diesen Spielertyp jetzt nicht als Spieler sehen, eher als Zuschauer.
    Was sagen denn die anderen Spieler dazu?

  2. Ruf sie an?
    Ehrlich, wenn Dir das so sehr im Gehirn herumgeistert frag sie einfach direkt. Und dann kannst Du ihr auch erklären, was Du für Spieler am Tisch haben willst, damit DU Deinen Spassanteil hast.
    Nicht anrufen ist doch ein wenig … unfair? 😉

    • Jetzt sei nicht so vernünftig. Außerdem, wenn mir eine auch nur halbwegs attraktive Frau ihre Telefonnummer aufdrängt – dann verliere ich vor Aufregung sofort den Zettel, dass weiß doch jede. Ich kann sie also gar nicht mehr anrufen…

  3. Hier versagt sogar die Laws-Typologie. 🙂 Vielleicht ein besonders origineller Fall von Eskapismus? Zu viel Warrior Cats gelesen? Oder einfach nur introvertiert? Kann übrigens verstehen, dass du nicht anrufen willst. Diese Art Bedenken ist irgendwie schwer rüberzubringen. Fair wäre es aber finde ich trotzdem, sie nicht völlig im Unklaren zu lassen.

  4. Ich kann das sogar irgendwie nachvollziehen: Das ist quasi “Zuschauen”. Man ist dabei, bekommt das vollständige Abenteuer mit, fühlt sich sogar als Teil davon, da ja die eigene Figur mit in der Szene ist – und bleibt dennoch nur Zuschauer.

    Indem man eine solche Rolle wählt, signalisiert man der Gruppe, dass man nicht im Weg steht, aber eben auch nicht Verantwortung übernehmen will. Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so drastische Variante dieses Spiels setze ich hin und wieder auch ein, wenn ich weder Gruppe noch Spiel kenne und mich erst einmal “zurücknehmen” will.

    Wobei ich das in der Regel nicht länger als eine halbe, maximal eine Stunde aushalte 🙂

  5. Nachtrag: Die Nummer hättest Du mal aufbewahren sollen. Es handelt sich offensichtlich um eine sozial verträgliche und fantasievolle Spielerin. 😉

  6. Hm, ich vermute, sie hat einfach eine ganz andere Vorstellung von Mitspielen. Sie ist halt innerlich so “süß”, dass diese ganzen abgefahrenen Dinge wie Leute abknallen und so nicht machen will. Sie macht lieber kitschige Dinge. Aber – und das hört sich ziemlich positiv an – sie macht das so, dass sie die Gruppe bei deren Spiel nicht stört. Dass es ihr gefallen hat, lag vielleicht einfach daran, dass Ihr sie habt machen lassen. Oder sie suchte Anschluss 😉

    • “Sie ist halt innerlich so “süß”, dass diese ganzen abgefahrenen Dinge wie Leute abknallen und so nicht machen will.”

      Süß?

      So süß wie, siehe Nachtrag, kaltblütig einen wehrlosen Menschen umzubringen? Und zwar GEGEN die Einwürfe und Widerstände der Gruppe und des SLs?

      Süß?

      Ich glaube nicht, daß wir dasselbe darunter verstehen.

      Der Nachtrag war übrigens ein eindeutiger Verstoß gegen das, was die Gruppe für akzeptabel hielt. Warum hier der SL nicht klar eingegriffen hat und dieses FAKTEN-Schaffen, gegen das die anderen SPIELER ja protestiert hatten, nicht zugelassen hat, wundert mich.

      Aber eine scharfe Braut kann sich jeden durchgeknallten Psycho-Killer-Scheiß erlauben, solange sie genug Titten und Arsch aufzuweisen hat, scheint es.

      • Hoho, Zorni, du gehst aber wieder ran! Der SL war in dem Fall ich. Und ich weiß nicht mehr genau, wie ich gehandelt habe. Jedenfalls passierte das alles schon zu einem Zeitpunkt, als die ersten Spieler ihre Würfel weggepackt wurden und meine Co-Orga an meinem Ärmel zog, weil ich anderswo gebraucht wurde. Es kann durchaus sein (das wäre jedenfalls jetzt mein Reflex), dass ich die Szene offen gelassen habe und unklar blieb, ob sie mir ihrer Handlung Erfolg hat.

        • Dann war die Runde ja schon vorbei. Sie hat sich also eine “private Nachspielzeit” mit extra-gestörtem Psycho-Killer-Exzess genehmigt.

  7. Vielleicht wollte sie auch bloß die soziale Provokation genießen, sehen, ob jemand auf ihre Tabubrüche (kaum Gruppeninteraktion, Sterbehilfe) reagiert. Der Reiz kann darin liegen, die Spieler (nicht die Charaktere) zu etwas bewegt zu haben, was sie sonst nicht getan oder gefühlt hätten.
    Ist allerdings ein Schrotschuss ins Dunkle … vielleicht trifft es den Fall einfach gar nicht.

  8. Gestört.

    Diese Spielerin hat definitiv psychische Probleme, von denen ein Teil durch ihr Verhalten im Spiel zutage trat.

    Wenn man mit psychisch Erkrankten spielt, dann können einem schon mal solche “seltsamen Verhaltensweisen” begegnen. – Diese Leute haben NICHT eine “etwas andere Art des Spielspaßes”, sondern sie haben ein PROBLEM.

    • Also Leute aus meiner (vielleicht ja völlig überzogenen) Schilderung eine psychische Krankheit zu diagnostizieren halte ich für Falsch.

    • Jetzt bist Du aber WIRKLICH über das ziel hinaus geschossen. Mit Polemik und anderen Verrücktheiten Deinerseits kann man sich ja mit der Zeit abfinden. Aber irgendwann ist es auch echt mal gut. Sowas kannst Du Deiner Tapete erzählen.

  9. Hm, so wirklich schlau werd ich aus ihrem Handeln, bzw. Deiner Wiedergabe selbigens, nicht. Aber sie hat es mit ihrem Spielstil geschafft Dir im Gedächtnis zu bleiben, und soweit ich das herauslese nicht zwingend negativ.
    Ich würde sie anrufen und mal eine Runde plaudern. Kann interessant werden, auf jeden Fall hast Du dann mehr Fakten und brauchst nicht mehr ins Blaue zu raten.

    @Zornhau
    Ehrlich, wenn Du Deine Meinung im Bezug auf Regeln, System und Spiel mit Feuereifer vorträgst finde ich das gut. Dieser Kommentar lässt Dich jetzt aber in meinen Augen als selbstgerechtes, überhebliches Arschloch da stehen. Mir von der Beschreibung eines Anderen, der mit besagte Person für ein paar Stunden gespielt hat, ein derartiges Urteil anzumassen zeugt in meinen Augen von himmelschreiender Dummheit!

  10. 😀

    Zum Thema: das hat in meinen Augen wenig mit “krank” zu tun, sondern mit einem Bild von Protagonisten oder auch vielleicht Anti-Helden in Mangas und Animes. Eine Kemonomimi spielt oft mit ihrer Beute wie eine Katze und auch die psionisch aktive Killerin aus der Anime Serie “Elfenlied” (die wirklich brutale Verbrechen durchführt, aber immer unter dem Aspekt der Gnade) gehört im weitesten Sinne zu den Kemonomimi.

    Also Zornhau: Bevor Du urteilst, lies dich ein. Das hilft WIRKLICH darin, dass Du nicht eventuell aus deinen eigenen Lachen aus Haß, Griesgram, Besserwissertum und Tolldom ausrutscht

  11. Nochmal zusammenfassend: Das Mädchen spielte also eine Hauskatze(Gestaltwandlerin), die als Todesengel auftrat in einer Szene. Ich denke schon, dass sie viel ihrer Inspiration aus einschlägiger Anime/Manga Szene hatte. In dieser Szene gibt es die Kemonomimi, Menschenfrauen mit Katzenmerkmarlen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kemonomimi

    Diese sind jedoch inspiriert von den japanischen Geisterkatzen, die durchaus gefährlich waren und auch als Todesbringer auftraten: Die Nekomata
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nekomata

    Diese wiederum gehören zu den Yokai, den Monstren und bösen Geistern
    http://de.wikipedia.org/wiki/Y%C5%8Dkai

    Yokai sind eine Unter”spezies” der Bakemono:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bakemono

    Letztendlich, wenn ich mir das so durchlese, lässt es sich auf von mir beschriebenes eindampfen. Es kann nun auch sein, dass ich total falsch lag und die Frau wirklich ein schräges Konzept vor Augen hatte, das kann ich nicht beschwören.

    Aber warte, die Gruppe hat was auch immer abgeschlachtet und es ging heiß her. Und dann beschweren sie sich, weil sie eine Herzlungenmaschine ausschaltet und einem eh Sterbenden den Eindruck gibt, dass er in die himmlischen Gefilde auffahre? Was ist an dem Tod der Gegner besser als an dem Tod des alten Mannes`;)

    • Ja, da wurde ordentlich gekämpft. Aber oft gegen (un)tote Gegner (allerdings auch gegen quicklebendige Neonazis). Wehrlose hingegen wurden nicht gekillt – aber du hast schon Recht, inwieweit hier jemand den moralischen Zeigefinger heben kann, ist wie immer fraglich.

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