Bauergaming

Warum Bauern und Zuckerbäcker auch Helden sein können wird uns auf Xeledons Spiegel erzählt – ich habs nicht so recht begriffen, was den Reiz für den Spieler ausmacht.

Das heißt aber nicht, dass die Helden keine Abenteuer erleben werden. Die oben genannte Handwerkergruppe hat z. B. schon einen Mörder, der in einem Dorf umging, zur Strecke gebracht, ein finsteres Familiengeheimnis aufgedeckt, eine unheimliche alte Mine erforscht, den Tod eines Mädchens aufgeklärt und dergleichen mehr. Die Seefahrergruppe erlebt regelmäßig Abenteuer auf ihrem Schiff, zuletzt haben sie nicht nur das Orakel von Sylla besucht, mit Mohas Kontakt aufgenommen und eine Reise durch den Dschungel gemeistert, sondern auch noch zwei Vampire zur Strecke gebracht.

Klingt doch fast nach normalen Abenteuern, oder?

Ich hab da jetzt einige Thesen zu, zu denen ich gerne eure Meinung gehört hätte.

These 1: Genrewechsel

Bauergaming ist der Versuch, ohne Wechsel des Systems (hier DSA) und des Settings (hier Aventurien) ein anderes Genre (hier u.a. Krimi) zu bespielen. Die künstliche Beschränkung auf „Normalos“ räumt bestimmte regeltechnische Klippen aus dem Weg – so könnte ein Magier in einem Krimi (Mörderjagd) mit seiner Magie das Rätsel umgehen, eine Mine wäre vielleicht nicht unheimlich, wenn man Lichtzauber und Plattenpanzer hat, etc.

These 2: Komfortzone

Bauergaming hat was mit der Komfortzone der Regeln zu tun. Viele Systeme (z.B. D&D 3.5) haben einen „Sweet Spot“, bei dem das Spielen am meisten Spaß macht (für mich war das bei D&D 3.5 die Level 5-8). Danach explodieren die Zielwerte, so dass nur noch Spezialisten mitmachen können und andere ausgeschlossen werden, die Magie wird übermächtig, Monster werden für den SL wegen ihrer Spezialangriffe sehr kompliziert, etc. Als „Bauergamer“ bleibe ich in dem von mir als angenehm empfundenen Bereich der Regeln, ohne dass ich mit der Skalierung für hohe Level ringen muss – Beispiel wäre hier der Kampf mit zwei Vampiren; der Kampf wäre für eine Powergaminggruppe viel zu einfach gewesen.

Ich möchte übrigens darauf hinweisen, dass ich auch gerne „Normalos“ spiele. Wenn ich Fiasco spiele, oder ein Echtzeitsetting, oder Horror – aber bestimmt nicht, wenn ich eine Fantasywelt betrete. Dort kann man gerne als Schmied anfangen, aber Enden möchte ich nicht als solcher!

22 Gedanken zu „Bauergaming

  1. Es ist nicht einmal „fast“ ein Abenteuer, sondern KEINES!

    Hier wird ja nicht nur das Genre gewechselt, sondern innerhalb des Genres einfach die NICHT-abenteuerlichen Genre-Facetten in den Vordergrund gezogen.

    Western kann spannendes Abenteuer sein, das auch anfangs eher weniger „abenteuerliche“ Charaktere als HELDEN in einen Strudel der Ereignisse zieht, in welchem sie entweder umkommen, oder als HELDEN daraus hervorgehen.
    Western kann aber auch LAHMARSCHIGE „unsere kleine Farm“-Seifigkeit sein, wo das „Abenteuer“ darin besteht die entwendete Leiter aus Mrs. Barnes Scheune wiederzufinden. *gähn* oder sogar *KOTZ*

    Beides sind Western, da Genre-Versatzstücke klar aus dem Western stammen.

    Aber die „Bauerngame“-Variante ist nun einmal KEIN STÜCK Abenteuer!

    Abenteuer bekommt man, wenn die SCs klar jenseits des „Wohlfühlbereichs“ in der Spielwelt in KONFLIKTE gestürzt werden, die SPÜRBARE KONSEQUENZEN haben.

    Der Ochsenkrieg. – Ja, DAS ist bajuwarisches Abenteuer.
    Dahoam ist dahoam. – DAS ist „Bauerngaming“ der peinlichsten Art.

    Kennzeichnend für Bauerngaming ist die FEiGHEIT aller Beteiligten.

    Der Spielleiter traut sich nicht KOMPETENTE HELDEN mit passenden Herausforderungen wirkliche Abenteuer spielen zu lassen. Er ist dazu zu feige und kann gerade mal kleingehaltenen Spielern ihre minderkompetente LUSCHEN-Charaktere noch mit dem „Spannenden Fall des aus Versehen zweimal gefütterten Kaninchens“ beschäftigen.

    Die Spieler, welche Bauerngaming bevorzugen, trauen sich nicht ihre SCs mal einem RISIKO auszusetzen, haben Angst davor mal ENTSCHEIDUNGEN treffen zu müssen, die ECHTE KONSEQUENZEN haben und nicht durch den würfeldrehenden Spielleiter-Airbag weichgespült werden.

    Abenteuer? Ja, schon irgendwie. Aber bitte OHNE Risiko, OHNE Spannung, OHNE Konsequenzen.

    Und schon ist man dabei Alrik und Barbie beim Gang auf den Wochenmarkt zu spielen oder Jupp, den bärtigen Thorwaler beim stundenlangen Tavernenspielmonolog zu lauschen.

    Abenteuer sind ANDERS!

    Natürlich MÖGEN manche Leute das Bauernspiel. Das ist halt die Spielform für die ÜBERÄNGSTLICHEN unter Spielern und Spielleitern, die ABENTEUER und SPANNUNG so sehr verunsichern, daß sie ein echtes Abenteuer NICHT ERTRAGEN können!

    Spieler dürfen freie Entscheidungen treffen, solange diese genau NICHTS an Konsequenzen nach sich ziehen.
    Spielleiter bekommen SCs präsentiert, die devot, fügsam und schon mit dem Versuch eine Treppe ohne mehrfach zu scheitern zu ersteigen herausgefordert sind.

    Bauerngaming?

    JÄMMERLICH!

  2. These 1 hat was für sich. These 2 trifft auf mich auf jeden Fall zu. Ich spiele derzeit DSA auf ziemlich hohem AP-Niveau und bekomme mal wieder Lust auf ganz entspanntes Bauergaming. Ich habe aber noch eine These 3 aus meinem Erfahrungsschatz anzubieten: Bauergaming erleichtert die Identifikation mit dem eigenen Charakter und die Vernetzung der Charaktere untereinander. Statt für oder gegen abstrakte Konzepte (Kriegerehre, das Reich, diese oder jene Gottheit / das Böse, die Vernichtung der Welt) kämpfen die Bauern-Helden mit sehr lebensnahen (aber dank Fantelalterwelt doch ausrechend verfremdeten/abenteuerlichen) Herausforderungen.

  3. Gut erkannt, der Analyse würde ich mich anschließen.
    Erklärt auch sehr einfach, warum Gruppen aus Power- und Bauer-Gamern nicht zusammenpassen, und hier auch Spieler und Spielleiter harmonieren müssen.

  4. Nachtrag: Zornhau SCHIMPFKANONADE habe ich LEIDER bei meinem Beitrag nicht berücksichtigen können, da parallel hier eingegangen. Er versteht unter Bauergaming offenbar etwas komplett anderes als ich. Oder er hat einfach andere Vorstellung davon, was den Wert von ENTSCHEIDUNGEN und KONSEQUENZEN betrifft. Warum ist es feige, wenn die Charaktere statt um die Rettung der Welt nur um ihren eigenen ARSCH und ggf. den ihrer Familien, ihrer Freunde, ihres Dorfes o.ä. spielen?

  5. Als der Depp, ders verzapft hat…;):
    Erstmal danke für die Erwähnung hier.

    These 1 hat auf jeden Fall etwas für sich. Es ist richtig, dass es tatsächlich in einer Gruppe aufkam, in der schon sehr lange DSA gespielt wird und in der viele schon „alles gesehen“ haben.

    These 2 trifft auf die besagte Runde nicht ganz zu, sondern folgendermaßen: Die beiden SL, die die Gruppen leiten, haben wenig Bock, sich mit den Tiefen und Untiefen des DSA 4.1-Regelwerks zu beschäftigen und auch wenig Elan, sich in „komplexere“ Hintergrundinfos (wie z. B. die Politik des Horasreichs, die Unterwelt Gareths, etc.) einzuarbeiten. Auch da bietet das Bauerngaming viele Vorteile.

    Zu Zornhaus Kommentar kann ich nur sagen, dass da glaub ich gar nicht verstanden wurde, worum es geht. Dass die Helden keine Abenteuer erleben, hab ich nie gesagt. Im Gegenteil, wie grade der hier zitierte Teil zeigen soll.
    Im Übrigen wird in der Runde offen gewürfelt…soweit also zum Thema „würfeldrehende Spielleiter…“

  6. Auf mich wirkt das so als wäre „Bauergaming“ (ein – mit Verlaub – strunzdummer Begriff) auch eine Art des Lo-Fi-Realismus wie man ihn zum Beispiel in vielen Indie-Filmen findet. Ein absichtliches Tiefstapeln was die Inhalte typischer „großer“, „lauter“ und „theatralischer“ Rollenspielrunden angeht. Das hat alles durchaus seinen Reiz in dem es bewusst von den abgegriffenen Versatzstücken der „DRAMA!“- und „ABENTEUER!!“-Spielrunden Abstand nimmt und sich leiserer Töne bedient.

    Als Idee kann ich dem durchaus etwas abgewinnen, aber in der Praxis bewege ich mich nicht in einem Spielerumfeld, dass auf eben dieses „Rollenspiel der leisen Töne“ anspringt oder das Bedürfnis hat so etwas gezielt zu verfolgen. Für mich ein amüsantes Kuriosum, aber nichts was mich wirklich an den Spieltisch locken würde.

  7. Mist, ich hab schon wieder den Link aufs Forum vergessen. Naja, hier gehts ja gut ab. (Im Übrigen könnt ihr den sonst gerne selbst setzen, ihr wisst ja wie es geht – falls ihr mir da aushelfen wollt).

    @Curima: Willkommen in der Welt der harten Kommentatoren 😉 – Ich möchte nochmal deutlich machen, dass ich überhaupt kein Probem damit habe, ganz normale Typen (z.B. die Besatzung eines Schiffs) zu spielen. Und ich finde, dass die sehr spannende Abenteuer erleben können. Dass du „Meine kleine Farm“ spielst, wollte ich damit nicht sagen. Ich denke nur, dass es nicht das ist, was DSA können soll und ein anderes System dafür besser geeignet ist, denn DSA will nun mal Fantasyhelden bedienen. CoC oder „Ruh dich nicht aus“ hingegen können sehr wohl mit „normalen“ Bürgern bespielt werden – die aber (wie auch deine DSA Helden) über sich hinaus wachsen. Drama kann eben auch im kleinen liegen.

    @Zornhau: Ich denke, dass wir eigentlich einer Meinung sind. Aber deine Darstellung des “unsere kleine Farm”-Spiels kann ich im OP nicht erkennen.

    @Graf Hardimund: Danke für These 3. Moderne Rollenspiele bringen ja eine „automatische“ oder gar erzwungene Verbindung der Gruppe mit (Fate, z.B. oder Technoir). Bei DSA und D&D war das immer ein Problem, da hast du recht. Da kann die Abstammung aus einem Dorf schon helfen – aber natürlich erklärt das nicht, warum die Dörfler nicht auch Stufe 20 erreichen können. Implizit scheinst du ja davon auszugehen, dass der SL (Meister) einer DSA-Runde dieser die Herkunft andernfalls nicht vorschreiben darf. Um mal meinen Co-Blogger Jörg hier zu zitieren: „Ich geh jetzt mal eine Rauchen. Hinterher erzählt ihr mir, warum ihr zusammen ins Abenteuer zieht.“ – Das ist doch nicht Sache des SL, sich um die Verknüpfung der Gruppe untereinander zu kümmern!

    @Georgios: Dieses Blog ist sozusagen die Bildzeitung des Rollenspiels. Bauergaming ist als Begriff laut und plakativ – wie könnte ich da widerstehen? Natürlich ist der Begriff doof. Aber er ist so schön griffig!!!

    • Der Meister soll den Spielern was vorschreiben? Bei DSA? Natürlich – geht das 😉 Auch wenn die Regeln es nicht vorsehen/unterstützen, wird das in den Runden, in denen ich spiele, meistens gemacht. Zumindest auf der Spielerebene wird viel abgesprochen, während dann in der Charakterebene das Kennenlernen gerne ausgespielt wird.

      Es ist aber eine Sache, etwas vorzuschreiben oder zu verabreden. Und eine andere Sache, einfach zuzusehen und zu staunen, wie geil es klappt. Die Vernetzung ist auch nur ein Aspekt meiner These 3. Inzwischen habe ich selbst einen Blogartikel drüber geschrieben, kann aber immer noch keine definitive Antwort geben, was genau das Bauergaming so attraktiv macht (über meine eigenen Vorlieben hinaus).

      Zum „Wachsen“ der Heldengruppe. Ich weiß von einer DSA-Runde, in der ich leider nicht selbst mit dabei sein konnte, die tatsächlich mit Bauergaming als Bürger in Andergast angefangen hat, dann die Stadt vor den Orks gerettet hat und danach in klassischer Heldengruppen-Manier losgezogen ist, um im weit, weit weg irgendwelche Mysterien der Orks zu ergründen. Bis es soweit war, haben sie sich aber so lange mit Bierbrauerwettbewerben, Stadtratsintrigen und ähnlichem beschäftigt, wie sie Spaß dran hatten. Und sie würden, wenn die Runde mal wieder zu Stande käme, vermutlich wieder mit solchen Dingen einsteigen.

  8. @Karsten: Naja, ich bin neben den beiden „Bauernrunden“ ja auch noch in 4 anderen festen Heldengruppen als Spielerin oder SL dabei, die halt eher so die klassischen Fantasy-Helden dabeihaben. Es is also nicht so, dass wir nur solche Runden hätten.
    Aber ich muss sagen, dass ich DSA gar nicht so ungeeignet finde…ich meine, in welchem System hat man sonst noch Talente wie Töpfern, Kristallzucht und Glasbläserei… 😉

  9. Ich kann beiden Thesen zustimmen. Es vereinfacht das Spiel auch enorm, wenn man Magie und dergleichen kaum berücksichtigt. Was dieses „Low-Tech-Spiel“ auch wieder fördert, ist die Angst vor dem Unbekannten. Solche 08/15-Charatere dürften reichlich Respekt vor selbst kleinen Magier, Stadtwachen und all dem haben, wo normale Helden einfach drüber walzen ohne mit der Wimper zu zucken. Es ist ein wenig wie zu den Anfangszeiten der eigenen Rollenspielkarriere: „Ein Zombie?! Hilfeeee!“ Das kann man durch diese Art von Spiel wieder etwas heraufbeschwören. Aber allzu lange hält es sicher nicht. Ich finde auch, dass so eine Spielart eher für storyorientierte Spieler geeignet ist, mir selbst würde es nicht lange Spaß machen.

  10. Die Thesen sind für mich nachvollziehbar und klingen einleuchtend. Mich würde so eine Runde nicht unbedingt an den Spieltisch fesseln, auch wenn es mal nett sein kann bewusst tief zu stapeln. Ich für meinen Teil finde es schön zu sehen, wie mein Anfangscharakter immer weiter wächst (nicht nur punktemäßig) und was erlebt, da wären mir die Grenzen eines Dorfes (nur als Beispiel) doch zu eng. Ich mags gerne opulenter 🙂

  11. These 4: Das Ganze funktioniert nur, wenn der SL die Abenteuer auf die Charaktere intensiv zuschneidert (siehe Xeledons Artikel). Einen Bäcker und einen Schmied ins Abenteuer zu ziehen, erfordert etwas mehr Raffinesse als einen „hauptberuflichen Helden“ zu motivieren. Ein bisschen was zu dem Thema findet sich zufälligerweise gerade auch in meinem Blog.

    These 5: Das Bestreben, aus den Archetypen auszubrechen, tritt oftmals bei Fans des sog. „sozialen Rollenspiels“ auf, wo persönliche Interaktion und menschliche Konflikte im Vordergrund stehen.

    Im übrigen bin ich sehr bei These 3. Menschen, die Schwächen zeigen, sind für viele Leute tatsächlich glaubhafter oder faszinierender, z.B. die von Zornhau angesprochene Feigheit. Seinen SC mit solchen Schwächen zu versetzen, kann reizvoll sein. Ich persönlich finde einen Schmied, dem der Hammer aus der schweißnassen Hand rutscht, während er in eine dunkle Höhle stapft, per se mal interessanter als den x-ten Krieger, der das Schwert zieht und „Mir nach!“ brüllt. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

  12. Wär bei Bauerngaming keine Spannung empfindet, hat in meinen Augen das Prinzip nicht verstanden, oder ist selber, nunja, jämmerlich.

    Imho steigt die Spannung mehr, wenn man weiß, das das Leben der eigenen Chars bedroht ist. Beim Bauerngaming ist das sehr viel eher der Fall als beim Powergaming. Ob ich im Falle eines Versagens der abscheuliche Mörder der kleinen Elfriede oder die Existenz des guten und gerechten Königreiches Üx bedroht ist – ist das ein Unterschied? Als Rollenspieler sollte ich doch auch darüber, Elfriedes Tod nicht gerächt zu haben, doch auch persönliche Betroffenheit usw. ausspielen können. Klar kann es mir auch am A… vorbei gehen, gibt viele Elfriedes. Andererseits kann ich genauso beim Untergang von Üx mit den Schultern zucken – gibts halt nächste Woche ne andere Kampagne – rettet Üxilon!

    Ob aber bei einer Niederlage das Leben meines Dorfhelden oder meiner weltbekannten Legende auf dem Spiel steht, sollte Spielern, die ihre Rolle gerne spielen, imho nicht so egal sein.

    • Hallo Michael,

      du denkst gerade an DSA, oder? Wo PCs kaum noch sterben können, wenn sie ein paar Stufen aufgestiegen sind? Schon bei D&D ist das anders (weil dort die Sterblichkeit nicht sinkt – die Monster machen dann so viel mehr Schaden, dass man immer noch die gleiche Zahl an Treffern aushält wie auf Stufe 1) und schon gar nicht für klassenlose Rollenspiele. Eigentlich bleibt für mich die Frage: Rettest du lieber die häßliche Müllerstochter vor einem einzelnen Ork oder die schöne Prinzessin vor dem Drachen? Der Rest deiner Argumente hängt nur vom verwendeten Regelsystem ab.

  13. Nee, ich dachte eigentlich schon an D&D.
    Dort ist es doch eigentlich egal, ob ich jetzt einen Lvl 1-Krieger – den begabtesten Schläger des Dorfes – oder einen Lvl-20-Krieger als einen der legendärsten Streiter des Reiches. Wenn ich an beiden Charakteren hänge, sind Kämpfe bei CR 1 bzw. CR 20-Gegnern eigentlich genauso spannend. Der Unterschied ist dann tatsächlich nur persönlicher Geschmack, ob es denn Müllerin oder Prinzessin sein soll, und der Fall, das bei Lvl 20 es vermutlich schwerer wird, passende Herausforderungen zu finden und in einen plausiblen, bestehenden Hintergrund einzufügen.

    Eigentlich würde ich als SL systemunabhängig meine Aufgabe so sehen, das ich die Spieler mit angemessenen Schwierigkeiten herausfordere – dann ist das Powerniveau nur eine Frage des persönlichen Geschmacks

    • Dir gehts also darum, dass es es nicht so abgedrehte Fantasy ist, wo der Kampf dann noch aus hartem Stahl und rotem Blut ist, statt aus Elementargeistern, göttlichen Interventionen und dreistelligen Hitpointverlusten zu bestehen?

      Unterstellt ich habe Recht, wäre die Frage dann: Warum Fantasy, wenn die „fantastischen“ Elemente der Fantasy nicht gewünscht sind?

      • Wenn man unterstellt, das beim Bauerngaming das Power- und Fantasyniveau sinkt, hast du recht: Dorfbursche mit ehrlichem Stahl und der Angst vor einem ernsten Orkhieb vs. Chamion des Reiches mit mehrfach verzauberter Klinge und Moradins persönlichem Hammer und der Angst vor einem Krit des Drachen.

        Mir ging es allerdings nicht darum, was ich lieber mag, bzw. wieviel Fantasy denn es nun sein darf, sondern um das Argument, Bauerngaming ist unspannend. Wenn die Herausforderung angepasst ist, ist beides ähnlich spannend, und es bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks, lieber eine epische Kampagne mit Drachen, Elementargeistern und Dämonendimensionsportalen oder eine Horde Orks auf Kriegszug im Svelttal. Das Bauerngaming hat da nur imho den Vorteil, das es bei settingnahen Kampagnen eine passende Herausforderung für Bauern denn für Highpower-Spieler einzubauen. BSP DSA: Eine kleine Orkhorde auf Plünderzug, einen Mörder auf der Flucht durch die Baronie kann man schnell einbauen, Armeen von Elementarherren vor Gareth sind auf Dauer vielleicht nicht mehr ganz so einfach im Setting unterzubringen.

        • Das gilt natürlich doppelt, wenn man Metaplotkonform die Spielwelt nicht „kaputt“ machen darf, mit den Dämonendimensionsportalen…

  14. Zum einen das, zum anderen ist halt im High-Power-Bereich die Luft ohnehin „dünner“, auch was mögliche Gegner angeht. Selbst ohne Metaplot wird es die Plausiblität mancher Spielwelten problematisch, immer wieder neue Herausforderungen zu finden und glaubhaft einzubauen, einfach weil die SC’s sehr viel mehr im Petto haben und sehr viel mehr passiert ist – z.B. in der Buffy-Serie, in der immer neue und immer bedrohlicere Bedrohungen eingebaut werden mussten, die imho der Glaubwürdigkeit dieses Settings nicht immer zuträglich waren.

    Ganz abgesehen von dem Punkt, den du als 2. These bringst: Auf einem hohen Powerniveau müssen sich Spieler wie SL nicht nur mit vielen Regeln beschäftigen, sondern sich ihnen auch unterwerfen – Low-Power-Runden sind da natürlich für alle beteiligten einfacher zu handhaben. Es kann nicht Schaden, sein Handwerkszeug zu beherrschen, wenn man wirklich Spannung aufbauen will.

  15. Ich würde sagen, bei DSA erlebt man mehr, wenn man sich nicht in Kämpfe verwickeln lässt. Ich habe mich um ein paar Tavernenschläger oder Ähnliches relativ schnell mit Proben oder Rollenspiel herumgelabert. Wenn es zum Kampf kommt, ist der Rest des Spielabends eine lange Würfelorgie, ohne dass die Handlung einen Meter vorwärtsrückt. Ist doch klar, dass ich lieber mit einer aventurischen Miss Marple im Rollstuhl oder Dildomar dem Ziegenhirten spannende Geschichten erlebe, während die ganzen Magier und Schwertkämpfer bei jedem räudigen Goblin und jeder verschlossenen Tür vom Spielsystem wieder mal von vorn und hinten genommen werden…

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